einheitlichen  Führung  der  auswärtigen  Reichsangelegenheiten  Abbruch
  getan  und  daß  Intrigen  Vorschub  geleistet  werde.

Für  unsere  Gesandtschaft  trifft  das  nicht  zu,  denn  die  Geschichte
  hat  einerseits  keinen  derartigen  Fall  verzeichnet,  zum  anderen
  besteht  keine  Reichsvertretung  neben  unserer  Gesandtschaft.
Auch  sonstistdas  den  Einzelstaaten  vorbeha!teneRecht  nicht  mißbraucht
worden,  und  es  ist  Esch)  zuzustimmen,  wenn  er  das  Reich  als
stark  genug  bezeichnet,  solchen  Mißbräuchen  entgegentreten  zu

Können.
C.  Mirbt,  dessen  treffliche  Ausführungen  wiederholt  Erwähnung

  fanden,  gelangt,?*!)  nachdem  er  zahlreiche  Punkte,  die
für  eine  Beibehaltung  der  Gesandischaft  sprechen,  diskutiert  hat,
direkt  zu  der  Forderung,  die  Gesandtschaft  müsse  im  Interesse
  des  Staates  beseitigt  werden.

Seine  Hauptgründe  hierfür  lauten,  der  politische  Katholizismus
  sei  ein  Feind  des  preußischen  Staates,  die  Kurie  ein  grundsätzlicher
  und  tatsächlicher  Gegner  der  Parität.

Selbst  wenn  man  dies  als  richtig  zugestehen  will,  so  kann
trotzdem  die  Erkenntnis  dieser  Tatsachen  Mirbt's  Forderung  nicht
begründen.  Wir  hätten  dann  auch  seit  1871,  als  Frankreichs  Revanchepolitik
  begann,  und  seit  etwa  1905,  als  wir  Englands  Einkreisungspläne
  erkannten,  unsere  diplomatischen  Vertreter  in  Paris
und  London  abberufen  müssen,  weil  wir  einsahen,  daß  die  Regierungen
  dieser  beiden  Länder  Gegner  unseres  Staates  Seien.

Daß  dies  ein  schwerer  politischer  Fehler  gewesen  wäre,  bedarf
  wohl  keiner  weiteren  Auseinandersetzung.

Mirbt's  Gründe  können  uns,  wenn  sie  richtig  sind,  nur  das
Eine  sagen,  daß  wir  stets  einen  tüchtigen  Mann  als  Gesandten
am  päpstlichen  Stuhle  haben  müssen,  einen  Mann,  der  aufkeimende
  Gegensätze  frühzeitig  genug  erkennt,  um  ihnen  tatkräftig
entgegenzutreten.  Sie  sprechen  also  eher  für  denn  gegen  die
Beibehaltung  der  Gesandtschaft.

Daß  keine  positiven  Ergebnisse  gezeitigt  wurden,  wie  insbesondere
  Sybel#42)  betont,  mag  doch  wohl  darin  seinen  Grund

340)  am  Schlusse  seiner  Ausführungen.
241)  im  II.  Teile  seiner  „Preußischen  Gesandtschaft  am  Hofe  des  Papstes“
22)  Seite  414.