haben,  daß  die  Auswahl  der  nach  Rom  geschickten  Diplomaten
eine  fortdauernd  unglückliche  gewesen  ist.  Dies  gibt  auch
Mirbt?#)  als  möglich  zu;  Gelehrte  wie  Humboldt,  Niebuhr  und
Bunsen  mögen  sich  wenig  zu  energischen  Vertretern  des  Staates
eignen,  was  sie  aber  unbedingt  hätten  sein  müssen.  Denn  mit
Nachgiebigkeit  etwas  von  päpstlicher  Seite  zu  erlangen,  ist  eine
Täuschung,  **)  wie  Bismarck  1854  insoweit  mit  Recht  betont  hat.

Denen,  die  wie  wir  die  Öpportunität  entscheiden  lassen
wollen,  hält  Mirbt**5)  den  eben  genannten  Ausspruch  Bismarcks
und  einen  weiteren  Niebuhrs  vor,  die  sich  beide  anscheinend
gegen  die  Nützlichkeit  der  Gesandtschaft  aussprechen.  Die
zwei  Aussprliche  liegen  zeitlich  weit  zurück;  auch  ist  Bismarck
später  entgültig  für  die  Gesandtschaft  eingetreten  und  von  Niebuhrs
  Worten  ist  die  Verärgerung  in  Abzug  zu  bringen,  unter
der  der  hochbegabte  Mann  auf  einem  ihm  nicht  zusagenden  Posten  litt.

Wenn  Mirbt?*)  von  „Protestanten  mit  abgestumpftem  evangelischen
  Ehrgefühl“  spricht  und  damit  diejenigen  meint,  die  sich
durch  die  Donnerworte  der  römischen  Priestersprache  nicht  erschrecken
  lassen,  so  trifit  uns  das  nicht.  Wir  ertragen  „mit  ruhigem
  Gleichmut  die  Zornergüsse  und  Verwünschungen,  welche...
der  Papst  wider  die  staatlichen  Regenten  usw.  sclhleudert*.#7)
Wir  nehmen  solche  Ausbrüche  nicht  ernster,  als  wenn  uns  das
feindliche  Ausland  Hunnen  nennt  und  von  unserer  nationalen
Zerschmetterung  träumt,  ohne  dabei  allerdings  in  den  Fehler
Niebuhrs  zu  verfallen,  die  päpstliche  Macht  als  „sinkend  “2%)  anzusehen.

Im  Gegenteil!  Trotz  aller  scheinbar  unersetzlichen  Schäden
und  Beeinträchtigungen,  die  der  Krieg  dem  Pasttum  brachte,  ist
dessen  Stellung  heute  eine  mächtigere  denn  je.

Dieser  Fall  tritt  nach  1815  und  1870  nun  zum  dritten  Male
in  der  Geschichte  ein.  Der  Papst  litt  stets  mit  dem  in  Krieg
geratenen  Deutschland,  um  mit  ihm  dann  wieder  um  so  mächtiger
zu  werden,  wörauf  dann  regelmäßig  ein  Konflikt  zwischen  „der

348)  Seite  46,  Gesandtschaft.

246)  vergl.  S,  39  unserer  Abhandlung.

245)  Seite  64,  Gesandtschaft.

46)  Seite  62,  Gesandtschaft.

247)  Bluntschli,  Seite  11.
248)  vorgl.  Seite  26  unserer  Abhandlung.