Der  Bierbund.  7

war,  und  es  gab  damit  den  Anstoß,  aber  doch  nur  den  äußeren  Anstoß
zum  Zerfall  des  ganzen,  schon  hinlänglich  morsch  gewordenen  Vierbundes.

Militärisch  wäre  bei  der  ungeheuren  Übermacht  der  Feinde  ein
Endsieg  —  zumal  angesichts  der  weitgehenden  wirtschaftlichen  A#lbschließung
  —  nur  erreichbar  gewesen,  wenn  er  innerhalb  einer  nicht
allzu  lang  bemessenen  Frist  erwirkt  werden  konnte.  Kein  Aufgebot  an
Menschenkraft  und  Menschenmut  vermochte  über  eine  gewisse  Zeit  hinaus
die  technische  Uberlegenheit  unserer  Gegner  auszugleichen,  wenn  wir
fortgesetzt  von  allen  Rohstoffmärkten  abgeschlossen  blieben.  Ein  Auegleich
hätte  nur  geschaffen  werden  können  durch  ein  solches  (und  so  rechtzeitiges)
Aufgebot  an  deutschen  U-Booten,  daß  wir  in  die  Lage  versetzt  worden
wären,  auch  die  Zufuhr  der  technischen  Hilfemittel  zum  westlichen  Kriegsschauplatz
  in  wirklich  entscheidendem  Maße  zu  behindern.  Diese  Rechnung,
die  unsere  letzte  Zuversicht  war,  erwies  sich  mit  der  Dauer  des  Krieges
als  irrtümlich,  da  die  Gegner  einerseite  die  Abwehrmittel  gegen  unsere
U-Boote  in  langer  deutscher  Zauderfrist  immer  weiter  vervollkommnen
konnten,  anderseits  sich  auf  ein  Höchstmaß  des  Neubaue#s  von  Transportmitteln
  zur  See  einzurichten  vermochten.

Es  war  oben  gesagt,  daß  unsere  fast  durch  vier  Jahre  bis  zum
15.  Zuli  1918  fortgesetzten  Siege  sich  ungefähr  über  das  Doppelte  des
Zeitmaßes  erstreckten,  das  vor  dem  Kriege  von  Optimisten  als  das  mögliche
Maß  erfolgreichen  deutschen  Durchhaltene  betrachtet  wurde.  Im  allgemeinen
  ging  die  Rechnung  sowohl  der  deutschen  Generalstäbler  wie  auch
der  deutschen  Volkswirte  ganz  überwiegend  dahin,  daß  der  Krieg  der
Zukunft  nicht  länger  als  allerhöchstens  ein  halbes  Zahr  werde  dauern
können.  Man  hielt  es  für  undenkbar,  das  ungebeure  Massenaufgebot
an  AMenschenkräften  und  an  technischem  Material  länger  durchführen  zu
können,  glaubte  auch  vor  allen  Dingen,  daß  der  Krieg  sich  unter  keinen
Umständen  länger  finanzieren  lassen  würde.  Ich  habe  in  den  Jahren
vor  dem  Kriege  bei  jeder  möglichen  Gelegenheit  mit  einsichtigen  Militärs
und  Volkswirten  Unterhaltungen  über  die  Frage  der  voraussichtlichen
Kriegsdauer  gesucht  und  habe  dabei  neben  der  an  Zahl  weit  überwiegenden
  Gruppe  der  Halbjahre-Theoretiker  eine  andere  Gruppe  gefunden,
  die  sich  —  meinen  eigenen  Anschauungen  entsprechend  —  auf
den  Standpunkt  stellte,  daß  in  einem  alle  Lebensinteressen  der  beteiligten
Völker  aufs  tiefste  berührenden  Kriege  der  Zukunft  mit  unerbittlicher
Zäbigkeit  bis  aufs  Weißbluten  gekämpft  werden  würde  und  daß  man  wohl
mit  einer  Kriegsdauer  von  etwa  zwei  Zabren  werde  rechnen  mäüssen.  Es
war  meine  feste  Uberzeugung  —  die  ich  auch  nach  allen  Richtungen  zu
begründen  und  zu  vertreten  trachtete  —,  daß  wir  trotz  aller  Gegenargumente
  auch  wirtschaftlich  einen  Krieg  von  ctwa  zweijähriger  Dauer