8  Sleger  und  Besiegte.

würden  durchzuhalten  vermögen.  Selbstverständlich  läßt  es  sich  jetzt  nachträglich
  nicht  unter  Beweie  stellen,  daß  der  Krieg  in  der  Tat  nicht
wesentlich  länger  als  zwei  Jahre  gedauert  und  daß  er  innerhalb  dieser
Frist  zu  einem  mindestens  nicht  unglücklichen  Ausgang  für  uns  geführt
haben  würde,  wenn  wir  in  jeder  Beziehung,  vor  allen  Dingen  auch
wirtschaftlich,  auf  eine  solche  Dauer  vorbereitet  gewesen  wären  und  zur
rechten  Zeit  alle  Mittel  mit  aller  Rücksichtelosigkeit  eingesetzt  hätten.

Was  in  bezug  auf  die  rechtzeitige  Erzwingung  des  Enderfolges
militärischerseits  etwa  versäumt  ist,  darüber  steht  das  Urteil  natürlich
den  Fachmännern  zu;  gestützt  auf  zustimmende  Meinungsäußerungen
solcher  Fachmänner,  mag  aber  auch  vom  Laienstandpunkt  ein  kurzes
Wort  verstattet  sein:

Unwillkürlich  richtet  sich  der  Blick,  wenn  wir  an  eine  etwa  möglich
gewesene  Berkürzung  der  Kriegsdauer  denken,  auf  jene  militärisch  wenig
fruchtbare  Zeitspanne,  in  der  die  überragenden  Fähigkeiten  Hindenburgs
und  Ludendorffes  im  Osten  nahezu  brach  gelegt  waren.  Offensichtlich
hat  falsche  politische  Rechnung  des  damaligen  Reichskanzlers  dazu
beigetragen,  daß  im  Osten  nicht  früher  mit  auereichenden  Mitteln
eine  zum  Verständigungsfrieden  führende  Entscheidung  gesucht  und
ermöglicht  wurde.  Es  ist  für  den  Kriegeteilnehmer  eine  besonders
schmerzliche  Erinnerung,  jener  Zeit  im  Herbst  1915  zu  gedenken,  in  der
Deutschlond  voll  hochgestimmter  Zuversicht  eines  beispiellosen  Erfolges  in
Rußland  durch  die  Einkreisung  der  Wilna-Armee  harrte,  für  deren  restlos
glückliche  Durchführung  Hindenburg  jedoch  weder  voll  ausreichende
Menschenkräfte  noch  vor  allen  Dingen  das  genügende  technische  Material,
insbesondere  für  die  Fliegeraufklärung,  zur  Berfügung  gestellt  wurde,
so  daß  sich  schließlich  aus  dieser  so  groß  angelegten  Aktion  eine  schwere
Enttäuschung  ergab.

Zu  der  Folgezeit  war  die  Kraft  Hindenburgs  ein  Jahr  lang  sogut
wie  ungenutzt.  An  der  Westfront,  an  der  nach  zuständigem  englischen
Urteil  bei  völliger  Nutzung  unserer  kriegswirtschaftlichen  Hilfemittel
innerhalb  der  ersten  beiden  Kriegejahre  sehr  wohl  die  Entscheidung  hätte
erfolgen  können,  wurde  inzwischen  ergebnielos  gerungen,  und  an  der
neuen  Südostfront  legte  eine  kurzsichtige  Politik  nach  den  eben  erst  erkämpften
  großen  militärischen  Erfolgen  in  Serbien  und  Mazedonien
alebald  die  Keime  für  den  Verfall  des  Vierbundes  und  die  drei  Jahre
später  eintretende  allseitige  Niederlage.

Als  im  Herbst  1915  die  deutschen  und  bulgarischen  Truppen  unter
ungeheuren  Schwierigkeiten  infolge  vorzeitigen  Eintreteno  schlimmen
Winterwetters  ihren  großartigen  Siegeszug  durch  Serbien  und  Mazedonien
  bis  an  die  griechische  Grenze  durchgeführt,  wurde  die  damals