Urtelle  über  das  Versagen  des  dentschen  militärischen  Endsieges.  9

vorhandene  Möglichkeit  eines  Vertreibens  der  Ententetruppen  vom  ganzen
Balkan  nicht  genutzt.  Aus  dpnastischen  Gründen  wurde  in  verfehlter
politischer  Berechnung  an  der  griechischen  Grenze  haltgemacht,  wobei
die  Politik  sich  strategischer  Scheingründe  zu  bedienen  wußte:  Ee  sollte
von  hohem  Entlastungewert  für  unsere  Westfront  sein,  daß  an  der  Salonikfront
  beständig  beträchtliche  Truppen  der  Entente  festgehalten  wurden.
Es  sollten  ferner  die  dort  notwendigen  Seetraneportmittel  willkommene
Beute  unserer  U-Boote  werden,  und  es  sollte  endlich  Bulgarien  durch  die
Notwendigkeit  ständigen  Schutzes  der  mazedonischen  Grenze  beim  Bündnis
gebalten  bleiben.

Gegen  diese  Gründe  wäre  vollwertig  einzuwenden  gewesen  (und  ist
auch  damale  bereits  eingewandt  worden!)),  daß  doch  auch  Bierbundkräfte,
und  zwar  keineswegs  nur  bulgarische,  an  jener  mazedonischen  Front
gebunden  waren  und  blieben  —  eine  Bindung,  aus  der  sich  vielerlei
unerfreuliche  Reibungen  ergeben  haben,  nicht  nur  zwischen  Deutschen
und  Bulgaren,  sondern  namentlich  auch  zwischen  Bulgaren  und  Türken.
Die  Bulgaren  beschuldigten  unsere  deutschen  Truppen  an  der  mazedonischen
Front,  mitverantwortlich  zu  sein  für  die  schlechten  Erndhrungsverhältnisse
in  Bulgarien,  indessen  Tatsache  ist,  daß  die  deutschen  Truppen  das  Bieh
für  ihre  Fleischnahrung  aus  Deutschland  beziehen  mußten.  Daß  unsere
Truppen  mit  Hilfe  solcher  aus  Deutschland  kommenden  Lieferungen
ihrer  Gewohnbeit  entsprechend  besser  verpflegt  waren,  als  die  an  sich
viel  ansprucheloseren  Bulgaren,  führte  natürlich  zu  allerlei  Beschwerden.
Am  ungünstigsten  standen  bezüglich  der  Bersorgung  die  türkischen
Truppen  an  der  mazedonischen  Front,  die  von  den  Bulgaren  so
schlecht  beliefert  wurden,  daß  ihre  Pferde  buchstäblich  verhungerten
und  die  Soldaten  dem  Verhungern  vielfach  nahe  waren.  Die
alten  türkisch-bulgarischen  Mißhelligkeiten  wurden  hierdurch  ständig  genährt.
  Die  großen  Geleitzüge  der  Entente  konnten  demgegenüber  die
gegnerischen  Truppen  an  der  mazedonischen  Front  vollauf  ausreichend
versorgen,  ohne  durch  unsere  U-Boote  allzusehr  behelligt  zu  werden.
Was  aber  endlich  die  Ansicht  anbetrifft,  daß  die  Bulgaren  durch  Aufrechterhalten
  der  mazedonischen  Front  in  der  Bündnistreue  bestärkt  werden
würden,  so  ergab  sich  das  Gegenteil:  Das  Haltmachen  an  der  griechischen
Erenze  säte  von  Anbeginn  Mißtrauen  in  das  noch  so  junge  Bündnis.
Die  noch  kampfesfrischen  bulgarischen  Truppen  hätten  nach  Verdrängung
der  Ententetruppen  gegebenenfalls  beste  Verwendung  finden  können,
wenn  man  sich  zu  dem  damale  sehr  naheliegenden  Ultimatum  an  Rumänien
wegen  dessen  mehr  ale  zweideutiger  Haltung  und  ausgesprochener  Erpressungepolitik
  entschlossen  haben  würde;  so  aber  blieb  eine  verwundbare
  Stelle  der  Vierbundfront  bestehen,  die  mit  der,  namentlich  für