10  Sleger  und  Besiegte.

die  Bulgaren  unerwartet  langen  Dauer  des  Krieges  ständig  schwächer
wurde.

Schließlich  drängten  die  bulgarischen  Truppen  nach  Hause.  Es  wurde
deutsche  Hilfe  und  deutscher  Ersatz  gefordert  zu  einer  Zeit,  in  der  wir
keine  Truppen  an  der  Westfront  mehr  entbehren  zu  können  meinten.
Die  Forderung  wurde  seitenes  der  deutschen  Obersten  Heeresleitung  um
so  mehr  abgelehnt,  als  man  der  Auffassung  war,  daß  deutsche  Kräfte  nur
einspringen  sollten,  damit  bulgarische  Truppen  nach  Hause  gehen  könnten.

Inzwischen  aber  hatten  innerpolitische  Verhältnisse  in  Bulgarien  zu
einer  Aufwiegelung  der  Front  gegen  das  Ministerium  Radoslawow
geführt,  und  diese  Aufwiegelung  wirkte  in  vollem  Maße  nach,  auch  als
dieses  Ministerium  gestürzt  war.  Der  Nachfolger  Radoslawows  konnte
auf  eine  Unterstützung  des  Parlamente  nur  rechnen,  indem  er  baldigen
Friedensschluß  zusicherte.  Die  Folge  war,  daß  der  am  meisten  aufgewiegelte
  Teil  der  Truppen  schließlich  erklärte,  er  würde  nicht  länger  ale
bis  zum  15.  September  1918  kämpfen,  und  sich  in  dieser  Haltung  auch  durch
Frontbesuch  des  Zaren  Ferdinand  und  des  Kronprinzen  Borie  nicht  beirren
  ließ.  So  kam  es  denn  tatsächlich  in  der  zweiten  Hälfte  des  September
von  dieser  Frontstelle  aus,  deren  Aufrechterhaltung  einst  als  besonders
geschickter  Schachzug  ausgelegt  worden  war,  zum  Beginn  des  großen
Zusammenbruche.

Auch  bezüglich  des  vorderasiatischen  Kriegsschauplatzes  war  eine
Politik  getrieben  worden,  die,  ohne  empfindliche  Stellen  des  britischen
Weltreiches  wirklich  irgendwie  ernstlich  zu  treffen,  die  Briten  lediglich
anreizte,  hier  in  großem  Stil  militärisch-politische  Ziele  zu  verfolgen.
Ale  dann  später,  nach  Beendigung  des  rumänischen  Feldzuges,  General
v.  Falkenhapn  nach  dem  vorderasiatischen  Kriegsschauplatz  entsandt  wurde,
war  dort  bel  der  völligen  Zermürbung  der  Türkei  nichte  mehr  zu  retten.

So  vollzog  sich  fast  gleichzeitig  das  Abbröckeln  Bulgariene,  der  Türkei
und  ÖOsterreich-Ungarns,  nachdem  die  Berbündeten  erkannt  hatten,  daß
Deutschland  selbst  nicht  mehr  auf  den  Endsieg  rechne;  und  die  wilde  Hast,
in  der  sich  namentlich  der  bulgarische  Zerfall  unter  dem  Zeichen  bolschewistischer
  Frontauflösung  vollzog,  führte  auch  auf  deutscher  Seite  zu
jenem  Moment  der  Erschütterung,  in  dem  die  Regierung  nach  allzulangem
Zögern  das  von  der  Heeresleitung  seit  Wochen  verlangte  Friedensangebot
unter  Begleitumständen  in  die  Welt  setzte,  die  der  Revolution  die  Zügel
schießen  ließen.

Wirtschaftlich  lag  es  von  vornherein  klar  zutage,  daß  wir  unsere
allseitige  Abgeschlossenheit  unmöglich  ohne  zeitliche  Begrenzung  ertragen
konnten.  Mit  der  Dauer  dee  Kriegee  stiegen  die  Auesichten  dee  feindlichen
Wirtschaftekrieges  gegenüber  unserer  unvorbereiteten  und  mühselig  durch-