Unfer  wirtschaftllcher  und  politischer  Zusammenbruch.  11

geführten  Kriegswirtschaft.  Ein  Ausgleich  hätte  nur  geschaffen  werden
können,  wenn  unsere  U-Boote  in  der  Lage  gewesen  wären,  Wunder  zu
verrichten,  die  wiederum  mit  der  Dauer  des  Krieges  und  der  dadurch
gesteigerten  Gegenwehr  —  sowohl  durch  die  Mittel  der  Abwehrtechnik
wie  durch  die  Mittel  beschleunigten  Schiffbaues  —  immer  mehr  in  das
nicht  mehr  handgreifliche  Keich  eben  des  Wunderbaren  rückte.  Ze  größere
technische  Anforderungen  die  Kriegführung,  zumal  nach  der  Schürung
des  Siegeswillens  in  den  Vereinigten  Staaten,  stellte,  um  so  mehr  kamen
wir  in  Bedrängnis  mit  unseren  Robstoffen  und  Betriebematerialien.
Mit  aus  diesen  wirtschaftlichen  Gründen  erklärt  es  sich,  daß  wir  bezüglich
der  Mittel  der  Kriegstechnik  an  Verwendungswert  Überraschendes,  an
Menge  aber  in  den  meisten  Fällen  nicht  Ausreichendes  aufzuweisen  hatten.
Während  die  Feinde  beispielsweise  in  schier  unbegrenzter  Zahl  Flugzeuge
und  Tanke  bauen  und  in  Betrieb  setzen  konnten,  war  es  für  uns  aus
Gründen  des  Fehlens  der  Nohstoffe,  des  Betriebematerials  und  der
Arbeitekräfte  ein  Ding  der  Unmöglichkeit,  zu  gleicher  Zeit  in  ausreichender
Menge  sowohl  Flugzeuge  wie  U-Boote  wie  auch  Tanke  bauen  und  mit
Betriebsstoff  versehen  zu  können.  Hinzu  kommt  die  anfängliche  Ablehnung
  der  Tanks  und  die  —  von  britischer  Seite  triumphierend  verzeichnete
  —  unzulängliche  Organisation  des  gesamten  Belieferungswesens
für  das  Heer  mit  technischen  Mitteln  vor  Durchführung  des  „Hindenburgprogramms“,
  für  die  Militär-  und  Zivilverwaltung  die  Verantwortung
teilen.

Ale  dann  schließlich  infolge  des  ungeheuren  Vorsprunge  dee  feindlichen
Wirtschaftskrieges  vor  der  abgeschlossenen  deutschen  Kriegswirtschaft  der
politische  Zusammenbruch  und  die  militärische  Lage  zum  Frieden  drängten,
machte  sich  in  der  Heimat  die  volle  Wirkung  des  mehr  ale  vierjährigen
Hungerkrieges  geltend.  Während  der  ganzen  Kriegezeit  hatte  man  aus
auf  der  Hand  liegenden  äußeren  und  inneren  Rücksichten  die  tatsächliche
Wirkung  diesese  Hungerkrieges  zu  vertuschen  gesucht.  Man  hatte  nach
Möglichkeit  die  ungeheuren  Schädigungen  körperlicher  und  geistiger
Volkegesundheit  verborgen,  die  der  Hungerkrieg  im  Gefolge  hatte.  Tatsache
  war  eine  bedeutende  Zunahme  der  Sterblichkeit,  vor  allen  Dingen
eine  gewaltig  gesteigerte  Wirkung  der  früher  erfolgreich  bekämpften
Seuchen.  So  forderte  infolge  der  Unterernährung  die  Tuberkulose  ein
Mehrfaches  der  früheren  Opfer.  Schmutzkrankbeiten,  wie  Typhus  und
Ruhr,  breiteten  sich  infolge  Mangele  an  Deeinfektions-  und  Reinigungemitteln
  aus.  Die  Geburtenzahl  ging  in  erschrecklicher  Weise  zurück.  Allgemein
  war  eine  bedeutende  Abnahme  des  Körpergewichte  und  damit
nicht  nur  der  körperlichen  Leistungsfähigkeit,  sondern  namentlich  auch
der  geistigen  Frische  und  der  seelischen  Widerstandekraft.  In  dieser  letzteren