Ole  belgischen  Hokumente.  21

Kino  und  die  wirtschaftlichen  Kriegsvorbereitungen  fielen,  lassen  sich,
wie  schon  angedeutet,  aus  den  mehr  oder  weniger  unparteiischen  belgischen
  Hokumenten  beurteilen,  die  der  Krieg  in  unsere  Hände  gebracht.
  Wir  brauchen  une  keineswegs  nur  stützen  auf  die  Darstellungen
dee  deutsch  freundlichen  Vertreters  Belgiens  in  Berlin,  Baron  von  Greindl,
die  ein  anschauliches  Bild  von  der  Einkreisung  der  Entente  geben  und
eine  Fülle  bemerkenswerter  Warnungen  an  die  Adresse  der  Brüsseler  Regierung
  bezüglich  der  wenig  friedlichen  Absichten  Frankreichs,  Englands
und  Rußlands  enthalten,  sondern  haben  ebenso  die  Berichte  der  belgischen
Vertreter  in  anderen  europäischen  Hauptstädten,  auch  in  den  kleineren,
namentlich  auf  dem  Balkan  sowie  in  Tanger  kennengelernt.

Das  Brüsseler  Auswärtige  Amt  sammelte  nicht  nur  die  Berichte
der  einzelnen  diplomatischen  Bertreter  in  den  fremden  Hauptstädten,
sondern  hatte  seit  1897  auch  die  wertvolle  Einrichtung  getroffen,  seinerseits
  aus  den  wichtigeren  Gesandtschafteberichten  einen  Auszug  zusammenzustellen
  und  von  Zeit  zu  Zeit  eine  politische  Korrespondenz  an  die  verschiedenen
  belgischen  Gesandten  zu  übersenden,  die  sie  über  die  allgemeine
  Weltlage  in  der  Weise  unterrichtete,  wie  die  politische  Abteilung
des  Auswärtigen  Amtes  in  Brüssel  sie  nach  Vergleichung  der  Gesandtschaftsberichte
  und  nach  Maßgabe  der  eigenen  Eindrücke  als  gegeben
betrachtete.  Zu  dieser  informierenden  politischen  Korrespondenz  wurden
nicht  nur  die  Berichte  aus  London,  Parie  und  Berlin  verarbeitet,  sondern
auch  jene  aus  Petersburg,  Wien,  Rom,  Madrid,  Tokio  und  anderen
Plätzen.  Das  belgische  Außenministerium  übernahm  in  diesen  Zirkularen
an  die  belgischen  Gesandtschaften  nicht  einfach  die  Mitteilungen  und
Ansichten  der  einzelnen  Gesandten,  sondern  verarbeitete  sie  zu  einem
politischen  Gesamtbild  und  versandte  den  Aberblick  in  der  Form,  die
zugleich  die  Stellungnahme  des  #lußenministeriums  zu  der  jeweiligen
weltpolitischen  Konstellation  erkennen  ließ.

Auch  diese  unveröffentlichten  Dokumente  sind  in  Brüssel  in  unseren
Besitz  gelangt.  Sie  wurden  leider  erst  allzu  spät  in  vier  Bänden  unter  dem
Titel  „Zur  europdischen  Politik  1897  bis  1914"  im  Verlag  von  Reimar
Hobbing  in  Berlin  veröffentlicht  und  für  die  Behandlung  der  „Schuldfrage“
  vor  dem  Versailler  Friedenskongreß  gar  nicht  mehr  politisch  ausgewertet.


Die  Berichte  aus  den  ersten  Jahren  betonen  immer  wieder  klar
und  deutlich,  daß  die  deutsche  Politik  durchaus  auf  die  Erhaltung  des
Friedens  gerichtet  sei,  daß  Deutschland  nur  im  Interesse  des  Friedens
Bündnisse  schließe,  daß  Kaiser  Wilhelm  II.  den  Ehrgeiz  habe,  seine  Regierungezeit
  ale  Friedenskaiser  zu  beschließen  und  daß  auch  die  militärischen
Rüstungen  Deutschlande  nur  der  Sicherung  des  Friedene  dienen  sollten.