Die  englisch-französisch-russischen  Vorbereitungepläne.  35

daß  die  Gefährdung  des  europäischen  Friedens  nicht  von  der  deutschen,
sondern  von  der  ententistischen  Seite  kam,  so  wenig  belfen  uns  alle  die
Tatsachen  über  jene  andere  hinweg,  daß  die  unsäglich  plumpe  Einleitung
  des  Krieges  durch  den  damaligen  Deutschen  Reichskanzler
vor  den  Augen  der  Welt  die  Schuld  im  letzten,  entscheidenden  Augenblick
auf  Oeutschland  geladen  hat.  Das  Weltgericht  fragt  nach  unsern  Gründen
nicht;  es  würde  bereitwilligst  jedem  Grund,  den  wir  aus  der  langen
Vorzeit  dee  Krieges  anführen  können,  die  Berechtigung  zugebilligt  haben,
wenn  wir  den  Enderfolg  für  une  hätten  buchen  können.  HOo  dies  nicht
der  Fall  ist,  bleibt  vor  den  Augen  der  Zeitgeschichte  ausschlaggebend  für  die
Beurteilung  der  Schuldfrage  der  Eindruck  deutscher  Gewalttätigkeit  und
Ferrschsucht,  der  dadurch  erzeugt  wurde,  daß  im  entscheidenden  Augenblick
die  politische  Leitung  des  Deutschen  Reiches  nicht  genugsam  die  treue
Hilfeleistung  für  einen  schwer  beleidigten  und  ernstlich  bedrohten  Bundes--genossen
  in  den  Vordergrund  zu  rücken  verstand,  sondern  dem  äußern
Anschein  nach  die  Kriegserklärung  gegen  Rußland  und  namentlich  gegen
Frankreich  gewissermaßen  vom  Zaun  brach  und  den  Aufmarsch  gegen
Frankreich  unter  der  Flagge  dee  bewußten  „Unrechts'  gegen  Belgien  vollzog.

Oie  deutsche  Diplomatie  schwamm  einerseits  im  Fabrwasser  der
österreichischen,  in  das  sie  während  des  Krieges  und  namentlich  während
der  Arbeit  an  den  Friedeneschlüssen  im  Osten  sehr  zu  unserem  Nachteil
immer  tiefer  bineingeriet,  und  sie  beging  anderseite  das  schwere  Ungeschick,
durch  die  gewählte  Form  der  Kriegeerklärungen  an  Rußland  und  Frankreich
  Deutschland  als  den  politisch  aggressiven  Teil  erscheinen  zu  lassen,
wo  es  sich  doch  darum  gehandelt  haben  würde,  gerade  bei  der  durch  unsere
Lage  gebotenen  militärischen  Offensive  die  politische  Defensiostellung
um  so  klarer  zutage  treten  zu  lassen.  Durch  die  Bethmannschen  Kriegeerklärungen
  an  Rußland  und  Frankreich  gaben  die  verbündeten  Kaiserreiche
  von  vornherein  zwei  Bundesgenossen  auf;  denn  sowohl  Italien
wie  Rumänien  waren  zu  militärischem  Mitgeben  nur  verpflichtet  für
den  Fall  des  Angriffe  von  der  anderen  Seite.  Die  österreichische  Diplomatie
  versagte  jenen  beiden  Verbündeten  nicht  nur  jede  rechtzeitige
Unterrichtung  über  ihre  Maßnahmen,  sondern  auch  jede  Spur  von  Entgegenkommen
  im  Hinblick  auf  durchaus  nicht  unberechtigte  Sicherungswünsche.


Sowohl  in  Rom  wie  in  Bukarest  hatte  man  ernste  Ausstellungen  an
der  Politik  Osterreich-Ungarne  zu  machen  und  wollte  durchaus  eine
diplomatische  Führung  Deutschlande  und  nicht  etwa  ÖOsterreiche
im  Nahmen  des  Gesamtbündnisses  sehen.  Gelegentliche  Mahnungen  in
dieser  Richtung  wurden  von  Herrn  v.  Bethmanns  stolzem  Seldbstbewußtsein
  in  den  Wind  geschlagen.  Dazu  kam,  daß  Deutschland  in  Rom

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