36  Die  allgemeinen  Seiegovorbereltungen  unserer  Felnde.

außerordentlich  ungünstig  vertreten  war;  in  Bukarest,  wo  vor  und  dei
Krlegebeginn  dies  nicht  der  Fall  war,  fehlte  jede  sachgemäße  Unterstützung
  unseres  Gesandten  von  Berlin  aus.  Man  kann  es  keinesweges
etwa  rundweg  als  „Verrat“  der  beiden  uns  zur  Zeit  des  Kriegsbeginns
verbündeten  Mächte  bezeichnen,  wenn  sie  damals  nicht  aktiv  auf  unserer
Seite  in  den  Krieg  eingriffen,  da  die  unbegreifliche  Politik  Bethmanns
die  nötigen  Vorauesetzungen  nicht  hatte  eintreten  lassen.

Im  weiteren  Verlauf  hielt  Bethmanne  Eifersucht  die  selbstlos  zur
Verfügung  gestellte  Kraft  des  Fürsten  Bülow  von  Rom  i  in  der  offenbaren
Befürchtung  fern,  daß  dort  die  Leitung  von  Friedens  gen,  die
Bethmann  in  maßloser  Selbstüberschätzung  durchaus  in  eigner  Zond
balten  wollte,  leicht  in  die  Hände  Bülowe  hätte  gleiten  können.  So  kam
dieser  Arzt  erst  zum  römischen  Patienten,  als  dessen  Fieberthermometer
bereits  41  Grad  zelgte.  Italien  wünschte  ernstlich  den  Krieg  mit  Deutschland
  zu  vermeiden,  hatte  aber,  wenn  man  gerecht  sein  will,  keine  allzugroße
  moralische  Bindung,  dem  Krieg  gegen  Osterreich  auszuweichen,
dessen  Staatsmänner  und  Militäre  in  der  Zeit  des  Dreibundes  mehr  ale
einmal  ihrerseits  mit  dem  Gedanken  des  Angriffskriegee  gegen  Italien
gespielt  haben.  Fürst  Bülow  ließ  es  sich  demgemäß  in  Wien  angelegen
sein,  die  diplomatische  Führung  den  Wiener  Händen  zu  entwinden,  wobei  er
in  Berlin  jedoch  immer  nur  sehr  laue  Unterstützung  fand.

Späterhin  wiederholten  sich  die  üblen  Erfahrungen,  die  wir  mit  der
diplomatischen  Überlegenheit  Wiens  machen  mußten,  mit  Bezug  auf  Bulgarien.
  Ebenso  wie  Italien  und  Rumänien  lange  Zeit  vor  dem  Kriege
in  das  Bündnis  mit  den  Mittelmächten  auoschließlich  unter  der  Voraus--setzung
  diplomatischer  Führung  Berlins  eingetreten  waren,  schloß  während
des  Krieges  Zar  Ferdinand  unter  der  gleichen  Voraussetzung  das
Bündnis  mit  ung.  Als  aber  während  der  Friedensverhandlungen  in
Brest-Litowek  und  besonders  in  Bukarest  der  bequeme  Herr  v.  Kühlmann
die  Zügel  schleisen  und  durch  den  überlegenen  Grafen  Czernin  aufgreifen
ließ,  erkannte  Zar  Ferdinand  alsbald  mit  aller  Deutlichkeit,  daß  seine
Sache  verloren  war.  Nachdem  er  Deutschland  durch  seinen  hier  unbeachtet
gelassenen,  außerordentlich  ernst  gemeinten  Trinkspruch  am  Geburtetag
  Kaiser  Wilhelme  1918  vergebene  gewarnt  hatte,  war  er  sich  beim
Abschluß  des  Bukarester  Friedens  darüber  klar,  daß  dieser  ihm  letzten
Endes  die  Kronc  kosten  werde.

Soweit  man  von  einer  deutschen  Schuld  bei  Ausbruch  des  Krieges
sprechen  will,  kann  es  sich  nur  um  das  Verschulden  diplomatischen  Ungeschicke
handeln,  das  durch  die  Art  der  Znszenesetzung  des  Krieges  IZtalien  und
Rumänien  automatisch  aus  dem  bestehenden  Bündnis  entließ,  das  uns
mit  dem  Unrecht  an  Belgien  behaftete,  und  das  gerade  im  entscheidenden