38  Der  Weltwietschaftskrieg.

fübrt  in  den  Zeiten  der  Waffenruhe  und  nimmt  nicht  durchweg  völlig
veränderte,  sondern  vielfach  nur  verschärfte  Formen  an,  wenn  auch  die
Waffen  zu  sprechen  beginnen  und  die  diplomatischen  Beziehungen  abgebrochen
  sind.

Wirtschaftliche  Beweggründe  für  Kriegsanzettelung  liegen  seit
uralten  Zeiten  vor.  Schon  nomadisierende  VBölker  kämpfen  im  wahren
Sinne  des  Wortes  um  die  Futterplätze;  und  ein  Kampf  um  die  Futterplätze
  war  sozusagen  auch  der  Krieg  Englande  gegen  Deutschland.  Wenn
wir  uns  angelegen  sein  lassen  wollen,  aus  den  vielerlei  Beweggründen
unserer  Gegner,  die  diesen  Weltkrieg  heraufbeschworen  haben,  insbesondere
  die  wirtschaftlichen  herauszuschälen,  so  werden  wir  uns  folgendes
zu  vergegenwärtigen  haben:

Bei  Frankreich  stand  obenan  zwar  der  vierundvierzigjährige  Rachegedanke;
  aber  Frankreich  hatte  bereite  auch  in  Zeiten  dee  Waffenfriedene
gegen  Deutschland  einen  Wirtschaftekrieg  von  zunehmender  Erbitterung
geführt.  Zwar  enthielt  der  Frankfurter  Friede  von  1871  dem  Buchstaben
nach  eine  vollständige  wirtschaftspolitische  Einigung  durch  jenen  Artikel  11,
der  für  ewige  Zeiten  die  wechselseitige  Meistbegünstigung  zwischen  beiden
Ländern  festlegte.  Das  hat  jedoch  Frankreich  nicht  gehindert,  allerlei
wirtschaftepolitische  Schädigungen  Deutschlande  zu  versuchen,  um  durch
wirtschaftliche  Schwächung  in  Friedenzzeiten  eine  leichtere  Niederringung
in  Kriegszeiten  vorzubereiten.  Frankreich  gestaltete  seinen  Zolltarif  so,
daß  am  stärksten  die  Waren  vorwiegend  deutscher  Herkunft  getroffen
werden  sollten.  Es  ging  in  den  Tagen  des  Marokkohandels  fernerhin
über  zum  offenen  Boykott  deutscher  Waren.  Die  französische  Diplomatie
ließ  sich  überall  in  der  Welt  angelegen  sein,  Deutschlande  Ausfuhrindustrie
und  Ausfuhrhandel  auszustechen,  indem  Frankreich  als  „Weltbankier“
sich  um  alle  irgendwo  aufzulegenden  Staatsanleihen  bewarb  und  bei
der  Ubernahme  der  Anleihen  regelmäßig  politische  und  wirtschaftliche
Bedingungen  stellte,  die  scharf  gegen  Deutschland  gerichtete  Spitzen  entbielten.
  Frankreich  also,  von  dem  wir  im  allgemeinen  immer  glaubten,
daß  es  nur  um  die  vermeintliche  Ehrenfrage  der  sogenannten  „Revanche“
den  Krieg  herbeigesehnt  und  herbeigeführt,  hat  tatsächlich  schon  lange  einen
Krämerkrieg  gegen  une  geführt,  der  seinem  englischen  Lehrmeister  alle
Ehre  machte.  Bei  seinem  Stillstand  der  Bevölkerungsvermehrung  und
seinem  Stillstand  des  industriellen  Lebens  im  höchsten  Grade  auf  den
deutschen  Nachbarn  eifersüchtig,  hat  cs  durch  die  Zwangemittel  seiner
Weltbankierpolitik  versucht,  seine  Industrie  künstlich  zu  beleben  und  dem
geneideten  Nachbarn  wirtschaftlichen  Schaden  zu  bereiten.

Mit  Gewalt  wußten  mitten  im  Frieden  die  Oreiverbandemächte,
meist  unter  Frankreiche  Vorantritt,  Früchte  deutscher  Arbeit  in  ihre