blperrung  Deusschlande  vom  internationalen  n  Nachrchtendienst.  4s

Zeitungen  beispielsweise  gewisse  ew-Vorker  Börsentelegramme  vorenthalten,
  die  über  auffällige  Goldverschiffungen  berichteten;  und  draußen
in  Ostasien  und  Südafrika  hatte  man  sogar  noch  früher  deutsche  Briefpost
heimlich  von  der  Beförderung  zurückgehalten.  Die  englische  Kriegserklärung
  an  Deutschland  ist  bekanntermaßen  erst  am  Abend  des  4.  August
ergangen;  die  vorzeitigen  Maßregeln  der  Nachrichtensperre  beweisen  zur
Genüge,  daß  England  schon  in  jenen  vorangegangenen  Tagen,  in  denen
es  die  sogenannte  „Probemobilmachung“  seiner  gesamten  Flotte  durchgeführt
  hatte,  entschlossen  war,  den  Krieg  vom  Zaun  zu  brechen.

Die  britischen  Kabel  und  das  Bureau  Reuter  beherrschten  einen
sehr  wesentlichen  Teil  der  gesamten  Nachrichtenvermittlung  zwischen
Europa  und  fremden  Erdteilen,  und  seitdem  die  englisch-französische
Entente  zustande  gekommen,  machten  sich  Reuter-London  und  Havas--Parle
  an  die  Bearbeitung  der  öffentlichen  Meinung  in  allen  fünf  Kontinenten
  im  Sinne  der  Entente.  Englisches  und  französisches  Kapital
beherrschte  einen  großen  Teil  der  Auslandspresse;  englische  und  französische
  Kabel  versahen  auch  die  nicht  durch  dieses  Kapital  beeinflußten
Blätter  mit  den  gefärbten  und  tendenziös  ausgewählten  Meldungen
jener  Bureaus.

Welche  Waffen  insobesondere  England  auf  diesem  Gebiete  zur  Berfügung
  standen,  geht  daraue  hervor,  daß  von  den  rund  520000  Kilometern
Gesamtlänge  des  Weltkabelnetzes,  die  es  bei  Ausbruch  dee  Krieges  gab,
England  rund  450000  kontrollierte,  Deutschland  dagegen  nur  etwa  36000,
die  unbrauchbar  zu  machen,  wie  schon  gesagt,  Englande  erste  Kriegshandlung
  war.

In  den  allerletzten  Jahren  hatte  deutsche  Technik  begonnen,  eine
gewisse  Unabhängigkeit  von  dem  britischen  Weltkabelnetz  anzubahnen  durch
den  Ausbau  besondere  leistungefähiger  funkentelegraphischer  Stationen;
aber  diese  Arbeit  befand  sich  doch  bei  Kriegsausbruch  immer  noch  in  ihren
Infängen,  und  es  bestand  noch  nicht  die  Möglichkeit,  dieses  Mittel  in  solchem
Umfange  zu  benutzen,  daß  ein  deutsches  Gegengewicht  gegen  das  englische
Weltkabelnetz  hätte  geschaffen  werden  können.  Zmmerhin  waren  dle
vorhandenen  deutschen  Funksprucheinrichtungen  England  ein  Horn  im
Auge.  England  befleißigte  sich  deshalb,  die  Vereinigten  Staaten  zur  Verbinderung
  der  Benutzung  deutscher  Funksp  ichtungen  in  Amerika
während  des  Krieges  zu  veranlassen,  und  richtete  die  ersten  Angriffe
britischer  Flottenteile  bezeichnenderweise  gegen  die  deutschen  Funkspruchstationen
  in  den  afrikanischen  Kolonien.

Die  deutsche  Schwäche  im  internationalen  Nachrichtendienst  war  vor
Ausbruch  dee  Krieges  auch  in  Deutschland  recht  wohl  erkannt  worden.
Namentlich  in  den  beiden  letzten  Zahren  hatten  sich  —  wir  kommen