4  Der  Weltwirtschaftskrieg.

mächte  ziehen  zu  lassen.  Angesichts  der  Einschränkungen,  die  der  Krieg
infolge  der  Znanspruchnahme  der  Industrie  für  die  Kriegszwecke  den
beteiligten  Ländern  auferlegte,  hätte  für  die  Neutralen  bei  freiem  Wirtschafteverkehr
  die  Möglichkeit  vorgelegen,  ihren  Welthandelsanteil  beträchtlich
  auszubauen.  Dies  zu  verhindern,  war  inobesondere  Englande
Sorge,  das  im  Gegenteil  eine  dauernde  Kontrolle  auch  über  den  Außenbandel
  der  europäischen  Neutralen  zu  gewinnen  suchte,  das  ale  unbeschränkter
  Herr  der  Meere  alle  Möglichkeiten  benutzte,  die  Rohstoffeinfuhr
der  Neutralen  in  gemessenen  Grenzen  zu  halten  und  unter  dem  Vorwand
einer  Verhinderung  der  Versorgung  Deutschlande  mit  Kriegemitteln  eine
Gesamtkontrolle  über  Industrie  und  Auefuhr  der  Deutschland  benachbarten
Neutralen  ausübte,  die  ihm  auch  für  die  Zeit  nach  dem  Kriege  eine  starke
Beeinflussung  und  Überlegenheit  sicherstellen  sollte.  Nach  alten  völkerrechtlichen
  Auffassungen  hat  die  Blockade  keine  andere  Aufgabe,  als  die,
dem  Gegner  die  Versorgung  mit  Kriegematerial  nach  Möglichkeit  abzuschneiden.
  Nach  englischer  Auffassung  aber  bezweckt  die  Blockade  die
Abschneidung  jeder  wirtschaftlichen  Lebenemöglichkeit  ũberhaupt,  die
vollkommene  Erdrosselung  des  gesamten  blockierten  Volkes.  Auch  diese
Erdrosselung  sollte  nicht  nur  für  die  Kriegezeit  als  Mittel  bestimmt  sein,
den  Krieg  abzukürzen  und  den  Gegner  möglichst  schnell  mürbe  zu  machen,
sondern  sie  bezweckte  eine  wirtschaftliche  Dauerwirkung,  die  völlige  Abtötung
  des  Wettbewerbs  auch  für  alle  Zukunft.  Aus  diesem  Grunde
beschränkten  die  wirtschaftlichen  Maßnahmen  sich  nicht  auf  die  Blockade
Deutschlande,  sondern  arteten  aue  in  eine  Blockade  der  Deutschen  in  der
ganzen  Welt.  .

Zunächst  gab  England  seinen  Verbündeten  das  Beispiel,  die  deutsche
Zivilbevölkerung  in  ihren  eigenen  Ländern  zu  internieren  und  die
deutschen  Unternehmungen  zu  beschlagnahmen.  Oie  Znternierung  der
Heutschen  konnte  sich  allenfalls  noch  verbrämen  mit  der  Vorsorge  gegen
Spionage-  und  Sabotage-Gefahr.  Die  Beschlagnahme  der  feindlichen
Vermögen  und  Unternehmungen  aber  stellte  sich  bereits  ganz  offen  dar
ale  eine  Maßnahme  des  Wirtschafteskrieges,  die  mit  dem  Waffenkrieg
nichts  mehr  zu  tun  hatte,  sondern  lediglich  ein  Mittel  zur  Ertötung  der
wirtschaftlichen  Konkurrenz  auch  für  die  Folgezeit  war.  Um  diese  Aueschaltung
  der  Deutschen  aus  der  Weltwirtschaft  möglichst  lückenlos  durchführen
  zu  können,  preßte  die  Entente  unter  englischer  Führung  in  ihren
politischen  Ring  eine  Macht  nach  der  anderen,  auch  gegen  deren  ursprünglichen
  Willen,  hinein.  In  Ländern,  die  durchaus  ihre  Neutralität  aufrecht
erhalten  wollten,  griff  man  zu  dem  System  der  Schwarzen  Listen,  d.  h.
zur  Bopkottierung  der  Deutschen  und  der  Deutschen  nahestehenden,  mit
den  Deutschen  auch  weiterhin  Handel  treibenden  Firmen  durch  die  Welt-