Der  Welthandel.  47

Aur  der  Verkehr  zwischen  Deutschland  und  seinem  östlichen  sowohl  wie  seinem  füböstlichen
  Nachbarn  können  mit  Bezug  auf  die  erzielten  Gesamtunisätze  noch  mit  in  Vergleich
  gestellt  werden;  die  Hanbelsbeziehungen  innerhalb  des  Dreiverbandes  halten  diesen
Vergleich  dagegen  nicht  mehr  aus.  Freilich  ist  bei  dieser  Feststellung  nicht  zu  übersehen,
daß  um  so  engere  finanzpolitische  Bezlehungen  innerhalb  dee  Dreiverbandes  besteben,
indem  Frankreich  dem  offiziellen  Rußland  Milliorden  und  abermals  Milliarden  vorstreckt,
das  englische  Kapital  die  russische  Privatwirtschaft  mit  immer  steigenden  Beträgen  befruchtet.
Bezüglich  des  eigentlichen  Welthandelsverkehre  marschieren  aber  eben  die  drei  großen
anglo-germanischen  Reiche  weitaus  voraon;  und  sie  haben  bel  entsprechender  Einschätzung
ihrer  Beziebungen  auch  das  wesentlichste  Interesse  an  einer  gleichmäßlg  fortschreitenden
Kultur-  und  Wirtschaftsentwicklung.“

Und  in  einem  weiteren  Aufsatz  „Deutschland  als  Kunde“  am
1.  Mai  1914:

„Für  Großbritannien  ist  Deutschland  mit  57  Mlllionen  Pfund  Sterling  im  Jahre
1911  ale  bester  Kunde  zu  verzeichnen,  was  um  so  nachdrücklicher  hervorzuheben  und  nicht
oft  genug  zu  wiederholen  ist,  als  sa  gerade  in  Großbritannien  die  Mißgunst  gegen  den
deutschen  Welthandelsanteil  eine  so  erhebliche  Rolle  splelt  oder  zum  mindesten  gesplelt
hat.  Hinzuzufügen  ist,  daß  auch  für  die  britischen  Kolonien  der  Handel  mit  Oeutschland
eine  hervorragende  Nolle  spielt,  insbesondere  sieht  das  reiche  Indien  nächst  dem  britischen
Mutterlande  in  Deutschland  seinen  besten  Kunden  (1911  indische  Auefuhr  nach  Deutschland
  13  Millionen  Pfund  Sterling,  das  sind  10  Proz.  der  gesamten  indischen  Ausfuhr
einschließlich  jener  nach  England  und  den  britischen  Kolonlen).  Auch  für  dic  Vereinigten
Staaten  von  Südafrika  ist  Deutschland  der  beste  nichtbritische  Kunde.  Kanada  liefert  seine
Waren  in  erster  Linie  nach  England  und  den  Vereinigten  Staaten;  unter  den  übrigen
Bezugeländern  stehen  Argentinien,  Belgien,  Frankreich  und  Deutschland  mit  je  3  Millionen
Dollar  auf  ziemllch  gleicher  Stufe.  Australien  hat  seine  besten  außerbritischen  Kunden  nach
der  Statistik  von  1910  in  Frankreich  mit  8  Millionen  Pfund  Sterling  und  in  Deutschland
  mit  7  Millionen.“

England  aber  wollte  durchaus  nicht  die  wertvolle  deutsche  Kundschaft,
sondern  nur  die  gefährliche  deutsche  Konkurrenz  sehen.  Besonders  peinlich
mochte  man  es  drüben  vermerken,  daß  die  deutsche  Handelebilanz
im  Gegensatz  zur  englischen  sich  immer  günstiger  gestaltete.  Während
drüben  vornehmlich  die  Abhängigkeit  von  der  Einfuhr  auseländischer
Lebenomittel  wuche,  trat  diese  in  Deutschland  verhältniemäßig  zurück  und
auf  der  anderen  Seite  entwickelte  sich  hier  die  Ausfuhr  von  Industrieerzeugnissen
  so  gümstig,  daß  wir  gerade  im  letzten  Halbjahr  vor  dem  Kriege
im  Begriff  standen,  von  einer  passiven  zu  einer  aktiven  Handelebilanz,
überzugehen.  Mit  einer  leichten  Ubertreibung  der  materiellen  Ursachen
des  Krieges  könnte  man  vielleicht  behaupten,  daß  in  diesem  Augenblick
die  deutsche  Konkurrenz  nach  englischer  Auffassung  unerträglich  wurde.
Den  Nachweis  für  dieses  Verlassen  der  Passivität  unserer  Handelebilanz
fübrte  ich  in  einem  „Tag“-Artikel,  der  erst  in  den  Tagen  des  Kriegsausbruche
  erschienen  ist  (2.  und  9.  August  1914):

„Ole  Frage,  ob  unsere  Handelebllanz  aktio  sei,  wird  gewohnheitomäßlg  selt  langen
Jahren  regelmäßlg  verneint.  Man  fügt  ebenso  regelmäßig  tröstend  hinzu,  daß  ja  eine