48  Der  Weltwilrtschaftekrieg.

passive  Handelebllanz  noch  lange  nicht  eine  passive  Zahlungebilanz  bedingen  musse,  und
rechnet  nach,  daß  Deutschland  beute  eine  erhebliche  sogenannte  „.unsichtbare  Ausfuhr“  habe,
seine  Zablungebllanz  sich  demgemäß  trotz  passiver  Handelsbilanz  aktio  gestalte.

Der  alten  Gewohnheit  zum  Trotz  mache  ich  mich  anheischig,  die  Frage,  ob  unsere
Handelebilanz  aktio  sei,  ohne  Zögern  laut  und  vernehmlich  zu  besahen.  Es  ist  nicht  wahr,
daß  wlr  noch  elne  passioe  Handelobilanz  haben:  nicht  nur  unsere  Zahlungebllanz,  sondern
auch  dlie  effektive  —  frelllch  nicht  die  statistische  —  Handelsbilanz  ist  aktiv.  Zu  dleser  Feststellung
  gelange  ich  auf  Grund  der  beiden  folgenden,  gleich  noch  näher  zu  begründenden
Thesen:

1.  Sobald  die  statistische  Einfuhr  die  statistische  Auefuhr  nicht  mehr  um  10  Proz.  übertrifft,
  ist  die  effektive  Handelsbilanz  als  aktiv  zu  betrachten.

2.  Wenn  im  Handelsverkehr  eines  Landes,  In  dessen  Einfuhr  die  Rohstoffe,  in  dessen
Auefuhr  die  Fertigfabrikate  überwiegen,  die  Ausfuhrmenge  größer  ist  als  die  Einfuhrmenge,
  dann  ist  der  Ausfuhrwert  dem  Einfuhrwert  erst  recht  überlegen.

Zu  These  1  wäre  erörternd  zu  bemerken,  daß  dle  Handelsstatistik  regelmäßig  der
Einfuhr  und  der  Auefuhr  eine  unglelchartige  Bewegung  zuteil  werden  läßt.  ODle  Einfuhr
wird  ungefähr  taxiert  nach  ihrem  Wert  für  den  Käufer  der  Ware,  die  Ausfuhr  nach  dem
Wert  für  den  Verkäufer.  Das  ist  keineswegs  daeselbe;  denn  zwischen  den  belden  Partelen
liegen  dle  ganzen  Spesen.  Wenn  die  Dinge  sich  nun  so  gestalten,  daß  dlese  Spesen  zum
größeren  Teil  in  dle  deutsche  Tasche  fließen  als  Gewinn  deutscher  Handelsagenten  und
deutscher  Reederelen,  so  trägt  dieser  Umstand  entsprechend  zur  Verbesserung  der  deutschen
Zahlungsbllanz  bei.

Aber  wir  wollen  hler  ganz  absehen  von  denjenigen  Faktoren,  die  die  Zahlungebllanz
  gegenüber  der  Handelsbilanz  günstiger  gestalten  können,  also,  neben  den  Verkehreund
  Zwischenhandelsgewinnen,  inebesondere  auch  von  den  Zinsen  der  im  Besitze  deutscher
Kapitallsten  befindlichen  ausländischen  Anlelben  und  von  den  Gewinnen  aus  mit  deutschem
Kapltal  betriebenen  aueländischen  Unternehmungen.  Die  Zahlungebilanz  soll  uns  hier
nur  Insofern  interessleren,  ale  sie  sich  unmittelbar  ohne  weitere  Zutaten  aus  der  Handelsbllanz
  ergibt.  Das  ist  es,  was  oben  die  „effektive  Handelebilanz“  genannt  wurde.

Um  diese  effektive  Handelebilanz  richtig  einzuschätzen,  muß  man  in  der  Handelestatistik
von  den  geschätzten  Einfuhrwerten  einen  Abschlag,  zu  den  geschätzten  Ausfuhrwerten  einen
Zuschlag  machen,  der  sich  im  allgemeinen  erfahrungsgemäß  um  eine  Differenz  von  mindestene
  10  Proz.  zu  bewegen  hat.  Wenn  wir  auf  der  einen  Seite  alle  Länder  mit  passioer
Handelsbllanz,  auf  der  anderen  Seite  alle  Länder  mit  aktiver  Handelebllanz  zusammenfassen,
  so  werden  wir  zu  der  Ermittlung  gelangen,  daß  die  gesamte  Unterbilang  aller  Länder
mit  passloer  Handelsbllanz  statistisch  um  ein  Beträchtlichee  höher  erscheint,  ale  der  rechnerische
  Gesamtgewinn  aller  Länder  mit  aktiver  Handelebilanz.

Besondere  kraß  treten  die  Differenzen  der  Handelestatistik  in  der  Regel  hervor,  wenn
man  auf  dlie  russische  Statistik  exemplifiziert:  Rußland  verzeichnet  in  seiner  Einfuhrstatisftik
durchweg  weit  höhere  Zlffern,  als  die  entsprechenden  Ausfuhrziffern  der  anderen  Länder
in  ihrem  Handel  mit  Rußland  schließen  lassen  würden.  Umgekehrt  sind  die  Ziffern  der
russischen  Ausfuhrstatistik  um  ein  bedeutendee  geringer  als  die  entsprechenden  Ziffern  in
der  Einfuhrstatistik  der  anderen  Länder.

Betrachten  wir  den  deutschen  Außenhandel  nicht  auf  Grund  der  deutschen  Handelestatistlk,
  sondern  auf  Grund  derzenigen  Ziffern,  die  in  der  Handelsstatistlk  aller  anderen
Länder  bezüglich  ihres  Warenaustausches  mit  Oeutschland  verzeichnet  find,  so  gelangen
wir  zu  einer  durchaus  aktiven  deutschen  Handelsbilanz.  Im  Ourchschnitt  werden  wir  une
an  dle  oben  erwähnte  Differenz  von  relchlich  10  Proz.  halten  können  und  ohne  weiteres
aus  dleser  Erwägung  schlleßen  dürfen,  daß  dle  „effektive“  deutsche  Handelsbllanz  aktio