58  Oer  Weltwirtschaftekrieg.

eine  monopolähnliche  Stellung.  Diese  Flache-  und  Hanfproduktion  kann
künftighin  noch  in  sehr  bedeutendem  Maße  erweitert  werden,  auch  ist
an  die  bedeutend  vermehrbare  Woll-  und  Seidenzucht  in  den  Umländern
des  Schwarzen  Meeres  zu  denken,  die  teilweise  auch  Baumwolle  liefern.
Endlich  bieten  die  unabsehbaren  Waldungen  Finnlands  und  Litauens
überreichliche  Rohstoffe  für  die  neue  Zellstoffindustrie,  deren  Erxzeugnisse
fortgesetzt  Verbesserungen  erfahren.

Zm  Hinblick  auf  die  aus  der  angedeuteten  Sachlage  sich  ergebenden
Zukunftemöglichkeiten  unserer  Belieferung  mit  Faserstoffen  erscheint  es
zweifellos,  daß  Amerika  seine  sehr  triftigen  Gründe  hat,  sich  nicht  auf  das
britische  Programm  des  wirtschaftlichen  Nachkrieges  einzulassen.  Auch  die
unter  britischer  Kontrolle  stehenden  Faserstofflieferanten  wie  Agypten,
Zudien,  Südafrika  und  Australien  (für  Baumwolle,  Zute  und  Wolle)
würden  ihr  Eigeninteresse  offenbar  besser  gewahrt  sehen,  wenn  die  deutsche
Kundschaft  ihnen  wieder  ohne  weiteres  offenstünde.  Die  südafrikanischen
Wollzüchter  sperrten  sich  demgemäß  auch  gegen  den  Abschluß  von  Verträgen,
  die  England  ein  volles  Monopol  der  Wollbelieferung  aus  Südafrika
  zu  für  die  englische  Industrie  vorteilhaften  Bedingungen  verleihen
sollen.  In  Australien  hat  der  englische  Handel  sich  für  Qualitäteware
schon  vor  dem  Kriege  eine  monopolähnliche  Stellung  zu  verschaffen
gewußt.  Agppten  und  Indien  haben  sich  dem  Machtgebot  der  britischen
Zwangeherrschaft  zu  fügen.  Davon  werden  besonders  die  englischen
Zuteproduzenten  betroffen,  da  die  deutschen  Ersatzstoffe  in  erster  Linie
befähigt  sind,  die  Jute  dauernd  entbehrlich  zu  machen.  Trotz  seines  Einflusses
  auf  die  weiten  Gebiete  der  Faserstoffproduktion  ist  England  aber
völlig  außerstande,  die  Absperrung  Deutschlande  von  der  Faserstoffbelieferung
  auch  nur  einigermaßen  vollständig  zu  machen.  Läßt  sich  aber
bezüglich  dieser  wichtigen  Rohstoffe  der  wirtschaftliche  Nachkrieg  nicht
einigermaßen  lückenloe  durchführen,  so  erscheint  das  ganze  System  zum
Mißerfolg  verurteilt.  Die  Gefahren,  die  hierdurch  den  Rohstoffproduzenten
erwachsen  könnten,  werden  seitens  der  Baumwollinteressenten  in  Amerika
offenbar  klar  erkannt.  Man  muß  und  will  es  dort  vermeiden,  Deutschland
durch  ein  verfehltes  Programm  des  Wirtschaftskrieges  auf  der  Suche
nach  Ersatzquellen  so  weit  vorwärts  zu  bringen,  daß  schließlich  nur  dic  bisberigen
  Lieferanten  des  deutschen  Marktes  den  Schaden  haben  würden.  Die
aus  unabweisbaren  Rücksichten  auf  ihre  Eigeninteressen  gebotene  besondere
Stellung  der  amerikanischen  Baumwollinteressenten  schlägt  in  den  wirtschaftlichen
  Einkreisungering,  den  England  um  uns  ziehen  möchte,  eine
schlechterdings  nicht  zu  schließende  Bresche.

Eine  Ubersicht  über  die  Wollerzeugung  in  den  wichtigeren  Ländern
ergibt  beim  Vergleich  der  Zahre  1909  und  1917,  daß  dem  steigenden