Die  Wollerzeugung  der  wichtigeren  Länder.  59

Bedarf  keine  steigende  Produktion  gegenübersteht,  daß  vielmehr  die  Produktionsrückgänge
  stärker  sind  als  die  Mehrerzeugung  in  vereinzelten
Ländern.  In  den  meisten  Staaten  hielt  sich  die  Gewinnung  von  Wolle
auf  unveränderter  Höhe.  Eine  Zunahme  wiesen  auf:  die  Asiatische  Türkei
von  20,4  auf  40,8  Millionen  Kilogramm  und  Britisch-Süd-Afrika  von
40,6  auf  71,4  Millionen.  Dagegen  verzeichneten  einen  starken  Rückgang:
Australien  und  Neu-Seeland  von  342,7  auf  292,2  Millionen,  die  Vereinigten
  Staaten  von  148,6  auf  130,6,  Argentinien  von  177,8  auf  119,8.
Der  Hauptanteil  der  Wollerzeugung  entfällt  auf  das  Britische  Reich;
ihm  folgen  Rußland  und  Süd-Amerika.  Wie  weit  Deutschland  in  seiner
Einfuhr  von  diesen  Ländern  abhängig  war,  zeigen  folgende  Zahlen:
Von  Deutschlande  Einfuhr  in  1913  kamen

aus  Kreuzzuchtwolle  Merlnowolle
dem  Britischen  Reich.  .  .  ..  56%  80%
Südamericceaa  32%  106%
anderen  Länden  12%  4%

Rußland  steht  als  Wollproduzent  an  zweiter  Stellc.  Doch  kamen
von  seinen  172  Millionen  Kilogramm  in  1913  nur  etwas  mehr  als  2  Millionen
  Kilogramm  nach  Deutschland.  Der  Grund  liegt  in  der  ungenügenden
Bewirtschaftung  des  Rohmaterials  und  darin,  daß  mangele  einer  veredelnden
  Kreuzzucht  von  den  60  Millionen  Schafen  nur  7,2  Millionen
feinere  Wolle  lieferten.

Die  Steigerung  des  Wollbedarfs  war  im  Kriege  außerordentlich.
Englande  Anforderungen  an  Wollgeweben  für  das  Heer  beispieleweise
war  40mal  so  groß  wie  in  Friedenszeiten;  es  benötigte  an  Strumpfwaren
das  50  fache  und  an  wollenen  Decken  das  60  fache  seinee  normalen  Verbrauchs.
  Die  durch  diese  enorm  gesteigerten  Ansprüche  bedingte  erhöhte
Wollerzeugung  erlitt  1915  eine  große  Hemmung  durch  die  Dürre,  von
der  Australien  heimgesucht  wurde,  wobei  Millionen  Tiere  eingingen.

Der  Schafbestand  der  Welt  beträgt  heute  schätzungeweise  630  Millionen
  Stück,  die  durchschnittlich  je  2  kg  Rohwolle  ergeben.  Gelänge  es,
die  Tierzahl  nur  um  10%  zu  erhöhen  und  das  Bließgewicht  nur  um  etwa
½  kg  aufzubessern,  so  bedeutete  das  schon  einen  jährlichen  Zuwache  von
285  Millionen  Kilogramm,  etwa  die  Durchschnittsjahresschur  Australiens
in  den  letzten  fünf  Zahren.  Nun  erzielt  aber  Australien  von  seinen  Riesenschafherden
  jährlich  und  pro  Stück  im  Durchschnitt  fast  3½  kg  Rohwolle,
es  würde  sich  also  eine  noch  bedeutend  höhere  Ziffer  ergeben.  «

Gegen  die  Aussicht  einer  solchen  Vermehrung  an  Kopfzahl  und  Bließgewicht
  sprechen  aber  verschiedene  Borgänge.  Argentinien  z.  B.  vermindert
  seinen  Schafbestand  zugunsten  von  Großviehzucht  und  Landwirtschaft.
Der  Schafbestand  Rußlands  und  der  Vereinigten  Staaten  hat  in  den  letzten