60  Der  Weltwirtschaftskrieg.

Jahren  bedeutend  abgenommen.  Von  Australien  heißt  es,  es  habe  seine
Höchstzahl  erreicht,  andere  wieder  behaupten,  es  vertrage  einen  Zuwachs.
um  20%  seines  Bestandes.  Neuseeland  kann  ohne  Zweifel  seinen  Schaf--bestand
  bedeutend  vermehren.  Die  meisten  Aussichten  für  eine  Erhöhung
der  Produktion  bietet  aber  Südafrika,  dessen  Weidegelegenheiten  nicht
entfernt  ausgenutzt  werden.  Es  hat  gegenwärtig  einen  Schafbestand
von  35  Millionen,  deren  Schur  durchschnittlich  2,2  kg  ergibt.  Auch  Kanada
bietet  gute  Aussichten.  Sein  Bestand  ist  gegenwärtig  nur  2½  Millionen
Stück,  es  besitzt  aber  Weidegelegenheit  für  80  Millionen.  Gelänge  es,
innerhalb  der  nächsten  Jahre  Kanadas  Zahl  auf  nur  20  Millionen  zu
bringen,  so  würde  das  allein  schon  einen  Zuwachs  von  45  Millionen
Kilogramm  Rohwolle  für  die  Weltwollproduktion  bedeuten.  Unseres  Erachtens
  kämen  ferner  für  erhebliche  Produktionssteigerung  auch  der
Balkan  und  Vorder-  und  Mittel-Asien  in  Betracht;  bier,  ebenso  wie  in
Rußland,  könnte  auch  Qualitätssteigerung  dem  Weltmarkt  wesentliche
Dienste  leisten,  unter  gleichzeitiger,  vollkommener  Einschränkung  des
großen  britischen  Übergewichts  auf  dem  Wollmarkt.

Nächst  Wolle  und  Baumwolle  war  das  Kupfer  auf  die  wichtigste
Stelle  unter  den  Rohstoffen  gerückt,  die  Deutschland  aus  dem  Ausland
einführte.  Demgemäß  verdient  auch  dieses  besondere  Beachtung  im
Rahmen  derjenigen  Stoffe,  auf  die  sich  der  wirtschaftliche  Nachkrieg
gegen  Deutschland  nach  englischen  Wünschen  zu  erstrecken  haben  würde.
Aber  auch  hier  sehen  wir  ebenso  wie  bei  der  Baumwolle  eine  Bresche,
die  von  Amerika  aus  in  den  Ring  wirtschaftlicher  Einkreisung  gelegt  wird
und  gemäß  den  amerikanischen  Eigeninteressen  gelegt  werden  muß,  mit
dem  England  uns  umgeben  moöchte.

Zu  der  Kupfergewinnung  hat  Amerika  freilich  nicht  eine  derartig
vorherrschende  Stellung  wie  in  der  Weltbaumwollernte.  Immerhin
aber  ist  es  doch  auch  das  Land  der  stärksten  Kupferproduktion,  das  seine
Stellung  auf  dem  Kupfermarkt  noch  dadurch  gefestigt  hat,  daß  es  beträchtliche
  Mengen  von  Kupfer  und  Kupfererzen  aus  anderen  Produktionsgebieten
  an  sich  zieht  und  seinerseite  dem  Weltmarkt,  insbesondere  dem
europäischen  Markt,  zuführt.  Mit  ungefähr  560  000  t  Kupfergewinnung
deckte  Amerika  etwa  die  Hälfte  der  Weltproduktion.  Ee  kommen  daneben
der  Reihe  nach  in  Betracht:  Mexiko  mit  rund  75  000,  England  mit  70  000,
Japan  mit  65  000,  Spanien  mit  60  000,  Australien  mit  45  000,  Oeutschland
  mit  40  000,  Chile,  Kanada  und  Rußland  mit  je  35  000  t,  ferner  mit
geringeren  Mengen  Peru,  Ztalien,  Frankreich,  der  Kongostaat,  Bolivien,
Osterreich-Ungarn,  Deutsch-Südwestafrika  und  Serbien.  Von  diesen
Ländern  führten  Mexiko  für  etwa  70,  Zapan  und  Spanien  für  etwa  50,
Australien  für  45,  Chile,  Kanada  und  Peru  für  je  25  Millionen  Mark