Oeutschlands  Kupferverbrauch.  61

Kupfer  aus,  Bolivien,  der  Kongostaat,  Deutsch-Südwestafrika  und
Serbien  kleinere  Mengen.  Neuerdings  wird  von  neuentdeckten  großen
Kupfererzlagern  in  Südlappland  berichtet,  die  von  der  schwedischen
Regierung  übernommen  werden.

Zu  Deutschland  hatte  der  Kupferverbrauch  gerade  in  der  letzten  Zeit
vor  dem  Kriege  eine  rasche  und  starke  Steigerung  gefunden.  So  war  er
allein  in  der  kurzen  Zeitspanne  von  1907  bis  1911  von  2,4  auf  3,4  kg
auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  gestiegen.  1912  belief  sich  die  deutsche
Kupfereinfuhr  auf  rund  200  000  t  im  Werte  von  315  Millionen  Mark.
Davon  kamen  aus  den  Vereinigten  Staaten  178  000  t  im  Werte  von
277  Millionen  Mark,  aus  Australien  10  000  t  im  Werte  von  16  Millionen
Mark,  aus  Belgien  4000  t  im  Werte  von  7  Millionen  Mark,  aus  Japan
2000  t  im  Werte  von  3  Millionen  Mark  und  aue  Serbien  1500  t  im  Werte
von  2  Millionen  Mark.  Die  VBereinigten  Staaten  standen  also  in  der
Belieferung  Deutschlands  mit  Kupfer  weitaus  an  erster  Stelle.  Es  bestände
  aber  die  Möglichkeit,  beträchtliche  Teile  dieser  Einfuhr  aus  anderen
Ländern,  wie  Mexiko,  Spanien,  Chile,  dem  Kaukasue-Gebiet,  Inner-Afrika
  und  dem  Balkan  zu  ersetzen.  Außerdem  können  wir  mit  wesentlich
  geringeren  Kupferbezügen  auskommen,  als  wir  sie  in  der  letzten  Zeit
vor  dem  Kriege  zu  verzeichnen  hatten.  Denn  einmal  herrschte  in  jener
Zeit  bei  uns  ein  ausgebreiteter  Kupferlurus,  wie  er  beispielsweise  in
der  Außen-  und  Innendekoration  öffentlicher  und  privater  Baulichkeiten
zum  Auedruck  kam,  ein  Luxus,  der  sich  während  des  Krieges  als  Vorteil
unbewußter  Stapelung  erwies,  im  übrigen  aber  eben  als  entbehrlich
betrachtet  werden  kann.  Zweitens  hat  die  Kriegeszeit  und  in  ausgedehntem
  Maße  andere  Metalle  an  Stelle  des  Kupfers  verwenden
gelehrt,  und  es  erscheint  sicher,  daß  wir  ohne  Schädigung  unserer  Industrie
auch  nach  dem  Kriege  mit  der  Verwendung  dieser  anderen  Metalle,
besonders  des  Aluminiume,  fortzufahren  vermögen.

Unter  Berücksichtigung  aller  dieser  Umstände  fällt  es  für  Amerika
im  Hinblick  für  die  Nachkriegszeit  sehr  ernstlich  ins  Gewicht,  daß  wir  der
weitaus  beste  Kunde  der  Vereinigten  Staaten  für  Kupfer  waren.  Nun
hat  Amerika  wegen  der  ungemein  großen  Steigerung  des  Kriegsbedarfs
der  Entente  seine  Kupfergewinnung  in  den  letzten  Jahren  ganz  außerordentlich
  ausgebaut  und  von  560  000  t  im  Zahre  auf  etwa  860  000  t
gebracht.  Zum  Zwecke  dieser  Produktion  waren  so  umfangreiche  neue
Investierungen  notwendig,  daß  die  Kupferproduzenten  der  Vereinigten
Staaten  auch  nach  dem  Kriege  darauf  werden  bedacht  sein  müssen,  erheblich
  größere  Mengen  Kupfer  als  zuvor  an  das  Ausland  abzusetzen,  da
andernfalls  beim  Aufhören  des  Kriegsbedarfs  der  Entente  eine  gewaltige
amerikanische  Uberproduktion  sehr  drückend  werden  würde.