62  Oer  Weltwirtschaftekrieg.

Somit  sind  die  Kupferproduzenten  in  den  Vereinigten  Staaten
ebensowenig  wie  die  dortigen  Baumwollproduzenten  —  wenn  man  hier
von  Gradunterschieden  sprechen  will  —  vielleicht  noch  weniger  in  der
Lage,  sich  irgendwie  an  dem  britischen  Programm  des  wirtschaftlichen
Nachkriegee  zu  beteiligen.  Sie  haben  im  Gegenteil  das  dringendste  Interesse
  daran,  daß  der  deutsche  Markt  sich  ihnen  beim  Aufbören  der  Kriegslieferungen
  an  die  Entente  unverzüglich  im  früheren,  ja  womöglich  in  noch
gesteigertem  Umfange  wieder  öffne  und  daß  DOeutschland  nicht  veranlaßt
werde,  bezüglich  der  Kupferbelieferung  seine  Verbindungen  mit  Süd-Amerika,
  dem  Kaukasus  und  Balkangebiet  und  Inner-Afrika  wesentlich
zu  verengern  und  in  weitgehendem  Umfange  an  dem  im  Kriege  durchgeführten
  Ersatz  des  Kupfers  durch  andere  Metalle  festzuhalten.  Auch
bezüglich  des  nächst  den  Faserstoffen  wichtigsten  Rohstoffes  in  unserer
gesamten  Einfuhr  sehen  wir  uns  also  der  Lage  gegenüber,  daß  das  Interr
esse  der  amerikanischen  Geschäftsleute  in  vollstem  Gegensatz  zu  den  wirtschaftlichen
  Nachkriegesplänen  der  britischen  Staatemänner  steht.

Daß  die  Berwirklichung  der  Absichten,  die  England  mit  dem  Wirtschaftskrieg
  verfolgt,  auf  nicht  geringe  Schwierigkeiten  stößt,  läßt  sich  auch
an  dem  Beispiel  des  Zinks  verdeutlichen.  Trotz  der  wichtigen  Zinkquellen,
  über  die  England  in  Australien  verfügt,  ist  es  doch  bisher  von
dem  internationalen  Zinkmarkt  durchaus  nicht  unabhängig.  Neben  A#lustralien
  spielen  Deutschland  und  die  Bereinigten  Staaten  in  der  Zinkerzgewinnung
  eine  hervorragende  Rolle.  In  der  Verarbeitung  der  Zinkerze
  standen  diese  beiden  Länder  an  der  Spitze.  Im  Jahre  1911  wurden
in  den  Vereinigten  Staaten  260  000,  in  Deutschland  244  000  t  Zink  gewonnen.
  Oie  deutsche  Ausfuhr  an  Zink  mit  84  000  t  übertrifft  die  Einfubr
  mit  51  000  t.  Der  Wert  der  in  Deutschland  geförderten  Zinkerze
belief  sich  auf  rund  50  Millionen  Mark,  der  Wert  des  in  den  Hüttenbetrieben
  gewonnenen  Zinks  auf  100  bis  120  Millionen.

In  Ergänzung  seiner  Eigenproduktion  von  reichlich  700  000  t  führte
Deutschland  260  000  bis  290  000  t  Zinkerze  ein,  wovon  jedoch  50  000  t
an  Osterreich-Ungarn  und  Belgien  wieder  ausgeführt  wurden.  Oie
Einfuhr  kam  zum  größten  Teil  (140  000  bis  160  000  t)  aus  Australien,
daneben  aus  Spanien,  Mexiko  und  in  kleineren  Beträgen  aus  anderen
Ländern.  An  rohem  Zink  und  Bruchzink  führte  Deutschland  etwa
100  000  t  aus  und  nur  halb  so  viel  ein.  Die  Einfuhr  entstammt  vornehmlich
der  belgischen  Zinkerzverarbeitung,  indessen  die  Ausfuhr  in  der  Hauptsache
  nach  Großbritannien,  Osterreich-Ungarn  und  Rußland  ging.  An
gestrecktem  und  gewalztem  Zink  wurden  etwa  30  000  t  ausgeführt.

England,  das  auch  hierin  Hauptabnehmer  war,  hat  nun  nicht  nur
auf  dem  Wege  der  Gesetzgebung  versucht,  den  Handel  mit  nichteisen-