Deutschlands  Zinkverbrauch.  63

haltigen  Metallen  aus  ausländischen  in  britische  Händc  überzuführen,
sondern  hat  der  britischen  Regierung  auch  die  australischen  Lieferungen
von  Zinkkonzentraten  für  einen  Zeitraum  von  zehn  Jahren  nach  dem
Kriege  gesichert.  Von  der  Gesamtproduktion  der  australischen  Zinkkonzentrate,
  die  sich  übrigens  nur  auf  400  000  t  jährlich  beläuft,  haben
aber  bisher  Australien  und  Großbritannien  nur  wenig  mehr  als  ½  verhüttet.
  Die  Aussichten  auf  eine  sehr  wesentliche  Steigerung  der  Verhüttung
  in  Australien  sind  zunächst  nur  gering.  Angesichts  der  nach  dem
Kriege  noch  für  geraume  Zeit  zu  gewärtigenden  Frachtraumknappheit
würde  die  Verfrachtung  des  wenig  Laderaum  erfordernden  Feinzinks
aus  Australien  nach  England  sich  gegenüber  der  Verfrachtung  der  Zinkkonzentrate
  offenbar  mehr  empfehlen.  Anderseits  aber  strebt  England
auch  danach,  die  Zinkerzverhüttung  an  sich  zu  ziehen  und  sie  nicht  Australien
zu  überlassen.  In  dieser  Frage  bestehen  noch  scharfe  Gegensätze  zwischen
den  australischen  und  den  englischen  Interessenten.

Da  Oeutschland  etwa  ¼  seines  früheren  Zinkerzbedarfs  aus  der
eigenen  Gewinnung  decken  konnte,  so  ist  es  durch  die  englischen  Versuche,
ihm  das  australische  Zink  vorzuenthalten,  nicht  besonders  ernstlich  getroffen,
nach  dem  Verhältnie  der  Produktionshöhe  überwog  vielmehr  das  australische
Znteresse  am  Absatz  nach  Deutschland.  Die  im  Rahmen  des  Wirtschaftskriegee
  gegen  Deutschland  auf  dem  Gebiete  des  Zinkhandels  getroffenen
britischen  Maßnahmen  scheinen  sich  einstweilen  mehr  zu  einem  britischaustralischen
  als  zu  einem  britisch-deutschen  Streitpunkt  zu  gestalten.

Auf  dem  Gebiete  der  deutschen  Zinkversorgung  ist  eine  wesentlich
größere  Gefährdung  unserer  Stellung  allerdings  durch  den  Friedensschluß
  eingetreten,  der  den  Verbleib  des  wichtigsten  deutschen  Zinkgebiete  in
Oberschlesien  bei  Deutschland  von  einer  unter  der  Aufsicht  der  Entente
durchzuführenden  Abstimmung  abhängig  macht.

Nächst  den  Faserstoffen,  Häuten  und  Fellen,  Holz  und  Kupfer  nehmen
Kautschuk  und  Guttapercha  eine  wichtige  Rolle  in  unserer  Einfuhr  von
Rohstoffen  für  die  Industrie  ein.  Der  Jahreeswert  dieser  Einfuhr  überstieg
  im  Jahre  1910  die  Höhe  von  270  Millionen  Mark,  schwankt  aber
sehr  stark  nach  den  Weltmarktpreisen.  Daß  das  Ausbleiben  der  Kautschukeinfuhr
  im  Kriege  unserer  Industrie  große  Schwierigkeiten  bereitet  hat,
ist  bekannt.  Ebenso  bekannt  sind  die  fortgesetzten  Versuche  zur  Erzeugung
künstlichen  Kautschuks.  Dieser  kann  aber  nur  in  Notstandszeiten  ernstlich
in  Frage  kommen,  da  die  Weltproduktion  an  natürlichem  Kautschuk  in
viel  zu  starkem  Steigen  begriffen  ist,  als  daß  der  Wettbewerb  eines  künstlichen
  Ersatzproduktes  dauernd  günstige  Aussichten  haben  könnte.

Zieht  man  nur  in  Betracht,  daß  durch  den  Krieg  London  auf  dem
Kautschukmarkte  der  Welt  eine  überragende  und  unangreifbare  Stelle