66  England  im  Wirtschaftskrieg.

lungsgehilfen  und  andere  Angestellte  ihre  Arbeitskraft  in  England  ohne
Vergütung  zur  Verfügung  stellten,  um  sich  in  der  englischen  Sprache
zu  vervollkommnen  und  englische  Handelsgewohnheiten  zu  lernen;  daß
deutsche  Waren  in  britischer  Aufmachung  mit  den  englischen  Erzeugnissen
  konkurrierten;  daß  deutsche  Unternehmungen  unter  englischer
Flagge  auftraten  und  dergleichen  mehr.

Bielfach  suchte  der  Engländer  aber  auch  eine  deutsche  Subventionspolitik
  als  Ursache  für  die  deutschen  Erfolge,  wo  sie  tatsächlich  nicht
vorhanden  war.  Die  verhältnismäßig  unbedeutenden  Subventionen
deutscher  Postdampfer  im  Verkehr  durch  den  Suezkanal  ostwärts  wurden
in  dieser  Beziehung  von  den  Briten  verallgemeinernd  mißdeutet  und
haben  dadurch  mittelbar  dem  deutschen  Handel  und  seinem  Anseben
vielleicht  reichlich  so  viel  geschadet  wie  genützt.

Aber  auch  wenn  wir  uns  in  dieser  objektiven  Weise  noch  so  sehr  bemühen,
  die  englische  Handelseifersucht  nicht  einfach  mit  dem  Wort  Krämer--geist
  abzutun,  so  werden  wir  doch  unter  keinen  Umständen  so  weit  gehen
können,  daß  wir  nun  etwa  die  Mittel  billigen,  deren  England  sich  im
Kriege  bediente,  um  die  deutsche  Konkurrenz  zu  ertöten.

England  begann  vom  ersten  Tage  an,  den  Krieg  als  Wirtschaftekrieg
  zu  führen,  und  zwar  in  einem  Maße,  das  weit  hinausging  über  die
Grenzen  der  bestehenden  internationalen  Rechtögepflogenheiten.  Wenn
man  es  als  eine  Haupterrungenschaft  des  Bölkerrechtes  angesehen,  daß
der  Krieg  nur  zwischen  den  Staaten  und  ihren  Heeren  und  Flotten,  aber
nicht  gegen  die  friedlichen  Bürger  zu  führen  sei,  so  eröffnete
England  unverzüglich  den  Krieg  gerade  auch  gegen  das  Privatvermögen.
Nicht  nur  wurde  durch  wiederholte  Ausdehnung  des  Begriffes  der  Konterbande
  das  Seebeuterecht  auf  alle  für  deutsche  Rechnung  schwimmenden
Güter  von  einigem  Wert  erstreckt,  sondern  es  wurde  auch  das  deutsche
Privatvermögen  in  England  und  den  englischen  Kolonien  beschlagnahmt
und  auf  die  England  verbündeten  Länder  im  gleichen  Sinne  eingewirkt.
Handelseniederlassungen,  Banken  und  wirtschaftliche  Unternehmungen
jeder  Art  wurden  unter  Zwangskontrolle  gestellt,  teilweise  liquidiert;
und  nicht  zufrieden  mit  diesem  Borgehen  in  England  selbst  und  seinen
Kolonien  sowie  entsprechendem  Vorgeben  der  Verbündeten  in  ihren
Ländern,  suchte  man  nach  und  nach  eine  ganze  Reihe  neutral  sein  wollender
Länder  in  den  Bann  des  englischen  Bündnisscs  zu  zieben,  nicht  zuletzt
in  der  Absicht,  auch  bier  die  deutschen  Handelseniederlassungen  der  Auflösung
  verfallen  zu  lassen.

Das  Eindringen  in  die  deutschen  Geschäftsgeheimnisse  durch  die
Beschlagnahme  der  Geschäftebücher  in  den  deutschen  Niederlassungen  auf
britischem  und  verbündetem  Gebiet  sowie  durch  die  Beschlagnahme  der