Beweggründe  und  Ziele  bes  englischen  Wirtschaftekrieges.  69

lande  Zlele  natürlich  viel  weiter  gesteckt,  nämlich  auf  ungehemmte,  einseitige
  Bearbeitung  aller  Neutralen  gegen  Deutschland  im  englischen
Sinne,  nicht  nur  um  dadurch  neue  Verbündete  zu  gewinnen,  sondern  auch
um  dem  deutschen  Ansehen  für  lange  Zeit  nachwirkend  zu  schaden  und
hierdurch  mittelbar  die  spätere  Stellung  Englande  im  wirtschaftlichen
Wettbewerb  gegen  Heutschland  zu  stützen.  Ahnlich  ließ  sich  die  Internierung
der  Deutschen  zunächst  mit  der  Spionagegefahr  begründen,  während  sie
tatsächlich  weit  darüber  hinaus  durch  Herauereißen  der  Oeutschen  aus
dem  Geschäfteleben  in  allen  dem  englischen  Einfluß  zugänglichen  Ländern
eine  entsprechend  schwere  wirtschaftliche  Schädigung  der  Deutschen  bezweckte.
  Die  Beschlagnahme  des  feindlichen  Eigentume  mochte  man
schließlich  gleichfalle  als  Mittel  bezeichnen,  um  deutscher  Spionage  und
Sabotage  die  Geldmittel  zu  entziehen.  Weit  mehr  aber  kam  es  den  Engländern
  darauf  an,  in  die  deutschen  Geschäftsverbindungen  und  Geheimnisse
  einzudringen  und  aus  deren  Kenntnis  dauernd  Vorteil  zu  ziehen.
Die  Entrechtung  der  deutschen  Patente  anderseits  brauchte  England
nicht  etwa  nur,  um  für  spätere  Friedenezeiten  seiner  Industrie  Vorteile
zuzuschanzen,  sondern  unmittelbar,  um  dringenden  Bedarf  des  Heeres
und  der  Bevölkerung  zu  befriedigen,  dessen  Deckung  durch  die  Unterbindung
  des  Handels  mit  Deutschland  ernstlich  gefährdet  war.  Was  in
dieser  Beziehung  den  Heereobedarf  anbelangt,  so  braucht  nur  erinnert
zu  werden  an  die  deutschen  Medikamente,  die  England  schwer  entbehrte
und  die  auf  Grund  des  Patentraubes  aus  eigener  Fabrikation  verfügbar
gemacht  werden  konn'en.

Ze  größer  die  militärischen  Erfolge  Deutschlands  waren,  um  so  mehr
verschärfte  England  seinen  Wirtschaftekrieg.  Es  gab  Zeiten,  in  denen  die
Entente  offensichtlich  keine  rechte  Hoffnung  mehr  auf  die  militärische
Niederringung  Deutschlands  zu  setzen  vermochte.  In  diesen  Zeiten  gab
sich  England  die  erdenklichste  Mühe,  seine  Hungerblockade  bie  aufe  äußerste
anzuspannen  und  Deutschland  dadurch  wirtschaftlich  zu  vergewaltigen,  oder
doch  wenigstens  die  Voraussetzungen  zu  schaffen  für  eine  Zermürbung
der  Volksstimmung.  Um  diese  Hungerblockade  und  namentlich  auch  die
für  die  deutsche  Kriegführung  empfindliche  Rohstoffblockade  möglichst
restlos  durchführen  zu  können,  bedurfte  England  einer  scharfen  Einwirkung
auf  die  Deutschland  benachbarten  Neutralen.  Vor  allen  Dingen
waren  es  die  Schweiz  und  Holland,  deren  Handel  durch  England  geknebelt
wurde,  um  die  Versorgung  Deutschlande  auf  dem  Wege  über  diese  Länder
zu  unterbinden.  In  der  Schweiz  bildete  die  sogenannte  S.  S.  S.,  die
scciété  suisse  de  surveillance,  eine  Art  britischer  Aebenregierung,  indem
sie  schweizerische  Ausfuhr  nach  Oeutschland  unter  persönlichster  Kontrolle
hielt.  In  Holland  war  der  N.  O.  T.,  der  Nederlandsche  Overzee-Trust,