Boytott  Deutschlands  nach  dem  Krlege.  77

armen  deutschen  Michel  wieder  zu  Hilfe  kommen.  Er  wird  sich  freundlichft
bereit  finden  lassen,  den  Handel  zwischen  Deutschland  und  dem  Ausland
zu  vermitteln.  Das  Doppelspiel  liegt  ziemlich  klar  zutage:  Erst  die  ganze
Welt  gegen  Deutschland  aufbringen  und  zusammenschweißen  zu  einem
großen  Bopykottring  gegen  dieses,  und  dann  in  aller  Stille  den  gesamten
  Außenhandel  des  von  der  übrigen  Welt  unter  englischer  Führung
bopkottierten  Deutschlands  in  die  Hände  des  englischen  Zwischenhandele
bringen!

Dae  ist  das  wirtschaftliche  Endziel  Englands,  das  in  vielen  Beziehungen
  Vorteil  und  Gewinn  verspricht:  Wenn  alle  Welt  sich  auch
nach  dem  Kriege  wirtschaftlich  gegen  Deutschland  verschwört,  dieser  breite
Absatzmarkt  für  Rohstoffe  also  zunächst  ausscheidet,  so  kann  England
dadurch  in  die  Lage  kommen,  seine  Rohstoffe  zu  verhältniemäßig  billigeren
Preisen  aufzukaufen.  Ee  kann  sich  dann,  unbekümmert  um  deutsche  Konkurrenz,
  die  besten  Qualitäten  aussuchen  und  seiner  Industrie  dadurch
einen  Vorrang  sichern.  Was  übrig  bleibt,  wird  dann  „aus  reiner  Gutmütigkeit“
  den  von  direkten  Auslandbezügen  ausgeschalteten  Deutschen
zu  beliebig  hochgeschraubten  Preisen  aufgehängt.  Soweit  er  unter  diesen
Umständen  auf  dem  Markt  doch  noch  einen  gewissen  Grad  von  Konkurrenzfähigkeit
  behält,  kann  er  ihn  infolge  des  Boykotte  nicht  durch  unmittelbaren
  Absatz  nutzen,  sondern  er  bleibt  wiederum  angewiesen  auf  die  Gnade
des  Engländers,  der  seine  Waren  übernimmt  und  sie  dann  —  da  die
deutsche  Marke  ja  verpönt  ist  —  unter  britischer  Flagge  und  zu  England
genehmen  Preisen  in  die  Welt  hinausgehen  läßt.  In  solchen  Erwägungen
sehen  wir  die  britische  Rechnung,  das  wirtschaftliche  britische  Kriegsziel.

Auf  den  Pariser  Wirtschaftskonferenzen  hatte  England  stete  verstanden,
  die  äußere  Einigkeit  in  der  wirtschaftlichen  Kampfstellung  gegen
Deutschland  bervorzukehren,  während  in  Wahrheit  die  Ziele  der  Verbündeten
  und  auch  der  verschiedenen  Interessenkreise  innerhalb  der  einzelnen
  verbündeten  Länder  weit  auseinandergehen.  Trotz  des  Aushängeschilde
  der  Pariser  Konferenzen  trat  nach  und  nach  aber  doch  das  britische
Sonderprogramm  des  wirtschaftlichen  Nachkrieges  mehr  in  den  Vordergrund.
  Es  wurde  vom  „Schutz  notwendiger  Industrien“  gesprochen,
wie  beispieleweise  der  Farbstoffindustrie,  und  von  „Vorzugezöllen  für  die
britischen  Kolonien"“.  Um  den  Kolonien  solche  Vorzugszölle  einräumen
zu  können,  muß  freilich  England  zu  einem  allgemeinen  Zollsystem  übergeben.
  Man  beschäftigte  sich  aber  im  großen  und  ganzen  weniger  mit
den  alten  Schlagworten  „Freihandel“  und  „Schutzzoll“  als  mit  dem  neueren
Gedanken  der  „Reichewirtschaftepolitik“.

Wesen  und  Absicht  dieser  allbritischen  Reichswirtschaftepolitik
  wurden  deutscherseite  wohl  kaum  richtig  eingeschätzt.  Der  Brite