Albritid-  eichewirtchftepolitt.  79

suchen,  war  von  dem  damaligen  Präsidenten  des  Britischen  Handelsamts
bereite  im  Herbst  1916  ein  Ausschuß  für  Schiffahrt  und  Schiffbau  eingesetzt,
  dessen  Bericht  erst  mit  reichlich  zweijähriger  Verspätung  veröffentlicht
  wurde.  Oer  Bericht  bezeichnete  die  Folgen  des  deutschen
U-Boottrieges  als  verheerend,  die  Neubauten  als  durchaus  unzulänglich.
Große  Besorgnis  erregte  in  den  interessierten  Kreisen  besonders  die  relative
  Stärkung  der  Wettbewerber  Englands  durch  die  Kriegegewinne
neutraler  Reedereien  und  die  Schiffbauten  in  Amerika,  Japan  und
Holland.  Die  nach  britischen  Rohstoffmonopolen  und  Schutzzöllen  begehrenden
  Zweige  der  Binnenlandindustrie  stehen  mit  ihrer  Politik  in
erheblichem  Gegensatz  zu  den  Interessen  der  britischen  Werften  und
Reedereien,  die  nur  von  einem  freihändlerisch  gerichteten  England'  die
Wiedereroberung  des  alten  Anteils  an  der  Welthandel

erwarten  können.  In  dem  Bericht  des  Schiffahrtsaueschusses  kam  dieser
Gegensatz  zwischen  Binnenlandindustrie  und  Schiffahrtsinteressen  zunächst
in  dem  Satz  zum  Ausdruck:  „Unsere  industrielle  Lage  wird  möglicherweise.
sehr  stark  sein,  während  uns  nur  eine  Handelomarine  verbleibt,  die  gänzlich
unzureichend  ist,  unsern  Bedarf  zu  befriedigen  oder  ihren  früheren  Anteil
wiederzugewinnen.“  Die  Interessen  des  Schiffbaues  und  der  Schiffahrt
fordern  nach  Ansicht  des  Ausschusses  aber  vor  allen  anderen  wirtschaftlichen
Interessen  in  England  Berücksichtigung.  Dabei  tritt  immer  wieder  zutage,
daß  ihnen  mit  Absperrungstendenzen  keineefalls  gedient  sein  kann.  Die
englische  Reederei  lehnt  viele  Vorschläge  in  Richtung  auf  ihre  vermeintliche
Vorzugsbehandlung  gegenüber  dem  Auslonde  als  in  der  praktischen
Wirkung  schädlich  sogar  rundweg  ab  und  vertritt  sehr  stark  den  Standpunkt
des  freien  internationalen  Wettbewerbs.  Bemerkenswert  ist  es,  daß  die
britischen  Reedereien  sich  nicht  einmal  beschränken  lassen  wollen  im  Bau
von  Schiffen  für  deutsche  Rechnung  nach  dem  Kriege,  „solange  nicht  alle
Alliierten,  einschließlich  der  Bereinigten  Staaten,  ähnliche  Maßregeln
ergreifen  und  solange  nicht  auf  die  Neutralen  zu  gleicher  Zeit  und  zu
gleichem  Zweck  ein  Druck  ausgeübt  wird“.  Das  ist  sehr  realpolitisch  und
sehr  wenig  wirtschaftskriegerisch  gedacht.

Schiffahrtserleichterungen  werden  in  erster  Linie  gefordert  von  den
verbündeten  Franzosen,  deren  Maklergebühren  und  Zwischenzoll  beanstandet
  wird.  Auf  den  Ausschluß  fremder  Schiffe  aus  der  britischen
Küstenschiffahrt  legt  der  Ausschuß  keinen  Wert;  die  Reservierung  der
indischen  Küstenschiffahrt  für  britische  Reeder  würde  nach  seiner  Ansicht
  sogar  Gefahren  in  sich  tragen,  da  diese  da  „in  anderen  Gegenden
  der  Welt  japanischem  Wettbewerb  gegenüberstehen“.  Ferner
fordert  der  Ausschuß  auedrücklich:  „Wichtige  Durchgangezentren  wie
Hongkong,  Singapore  und  Penang  sollten  nicht  unter  die  Küstenschiffahrt