8  England  im  Wlrtschaftskrieg.

versorgung  selbst  ins  Gedränge.  —  Ee  ist  eine  höchst  ungemütliche  Lage,
die  nach  außen  hin  unter  keinen  Umständen  erkennbar  werden,  keine
Aufmerksamkeit  ausländischer  Beobachter  auf  sich  lenken  darf.  Was  liegt
da  für  den  schlauen  Briten  näher,  als  die  Backen  ungeheuer  voll  zu  nehmen
und  die  ganze  Welt  mit  lauter  Stimme  in  eine  angeregte  Unterhaltung
über  den  „fürchterlichen  Rohstoffmangel  Deutschlands“  zu  zlehen,  der
ale  politisches  Erziehungemittel  gegenüber  diesem  Feinde  aller  Welt
genutzt  werden  müsse!

Oer  englischen  Propaganda  ist  es  lange  Zeit  gelungen,  das  Weltrohstoffproblem
  nur  unter  diesen  Gesichtspunkten  erscheinen  zu  lassen.
Man  redete  also  munter  weiter  von  der  „Bestrafung  Deutschlands“  und
zimmerte  hinter  der  mit  diesem  Aushängeschild  versehenen  Fassade  der
allbritischen  Reichswirtschaftspolitik  möglichst  unbehelligt  ein  Sostem,
dessen  Absicht  es  ist,  England  selbst  aus  der  Rohstoffklemme  zu  helfen.
Einerseits  trachtet  man  Japans  industrielle  Konkurrenz  zu  dämpfen,
indem  man  Japan  vom  indischen  Rohstoffmarkt  verdrängt.  Anderseits
sieht  man  sich  bemüßigt,  Englandes  Rohstoffbezüge  aus  den  BVereinigten
Staaten  mit  Rücksicht  auf  die  drohende  fortgesetzte  Steigerung  der  Verschuldung
  und  überaus  ungünstige  Zahlungsbilanz  künftig  in  möglichst
weitgehendem  Maße  einzuschränken.  Natürlich  darf  von  diesen  Zielen
gegenüber  den  Verbündeten  nicht  öffentlich  geredet  werden.  So  muß
denn  also  immer  Oeutschland  berbalten  und  die  allbritische  Reichswirtschaftspolitik
  begründen  helfen.

Welches  aber  sind  die  wahren  Absichten  dieser  Politik?  Oie
Notlage,  in  der  England  sich  befindet  und  der  es  zu  steuern  gilt,  ist
bereite  dargelegt.  Mittel  zu  diesem  Zweck  ist  eben  die  Nonopolisierung
  der  Rohstoffe  des  gesamtbritischen  Imperiums
für  die  englische  Industrie.  Dadurch  kommt  man  in  die  Lage,  der
bisherligen  Bezüge  aus  Amerika  in  großem  Umfange  zu  entraten.  Hat
man  erst  einmal  durch  imperialistische  Motive  die  Zustimmung  der  Kolo--nien
  erwirkt,  dann  hofft  man  die  Nohstoffpreise  auch  im  Interesse  der
Industrie  Englands  beeinflussen  zu  können.  Die  Kolonien  erhalten  das
Scheinzugeständnie  der  Vorzugezölle,  wobei  die  eigentliche  Absicht  dahin
geht,  England  durch  die  Vorzugszölle  der  Kolonien  das  Monopol  der
Belieferung  mit  Industrieerzeugnissen  sichern  zu  können.

Zm  Gesamtverkehr  mit  den  britischen  Kolonien  betrug  die  Handeleunterbilanz
  nur  0,2  Milliarden  Mark.  Sie  war  schon  über  und  über  dadurch
  auegeglichen,  daß  dieser  ganze  Warenverkehr  sich  der  Hauptsache
nach  auf  britischen  Schiffen  vollzog.  Sodann  aber  schöpfte  England
unmittelbar  große  Reichtümer  aus  den  Kolonien.  Ee  braucht  nur  daran
erinnert  zu  werden,  daß  der  Überschuß  der  indischen  Staatseinnahmen