Monopolisierung  ber  Rohstoffe  des  gesamtbritischen  Imperiums.  83

über  dle  Staatsausgaben,  der  in  die  englischen  Taschen  floß,  sich  im  Zahre
auf  430  Mlllionen  Mark  belief,  daß  ferner  aber  auch  von  den  indischen
Staatsausgaben  gewaltige  Posten,  wie  der  Schuldenzinsendienst,  mit
rund  600  Millionen  Mark  gleichfalls  auf  der  englischen  Einnahmeseite
zu  verbuchen  sind.  Auch  im  Verkehr  mit  den  nicht  britischen  Teilen  Asiene
und  Afrikas  war  die  britische  Handelsbilanz  leicht  aktiv.  Sie  dürfte  es
freilich,  wenigstens  im  Verkehr  mit  dem  nicht  britischen  Asien  nach  dem
Kriege  nicht  mehr  sein,  da  die  japanische  Konkurrenz  sich  nicht  nur  in
Japan  selbst,  sondern  auch  in  China  nachhaltig  in  einer  die  britische  Warenausfuhr
  stark  beeinträchtigenden  Weise  geltend  machen  dürfte.

Was  den  Berkehr  mit  Europa  anbetrifft,  so  war  auch  bier  eine  erhebliche
  Unterbilanz  des  englischen  Warenhandels  in  Gesamthöhe  von
1,5  Milllarden  Mark  zu  verzeichnen.  Am  höchsten  stand  in  Europa  vor  dem
Kriege  ja  bekanntlich  der  Handel  mit  Deutschland,  indem  die  englische
Unterbilanz  sich  auf  200  Millionen  Mark  beschränkte.  Im  Warenaustausch
mit  seinen  festländischen  Verbündeten,  von  denen  in  diesem  Zusammenhang
  Belgien  außer  Betracht  bleibt,  also  mit  Frankreich,  Italien  und
Portugal,  glichen  Ein-  und  Ausfuhr  sich  mit  Gesamtwerten  von  je  etwa
1  Milliarde  aus.  Dieses  sind  die  einzigen  nicht  britischen  Länder,  die  nach
dem  Kriege  auf  Grund  wirtschaftlicher  Bereinbarungen  der  Entente  den
britischen  Waren  einen  erweiterten  Markt  zu  bereiten  veranlaßt  werden
könnten.  Gerade  diese  Länder  aber  sind  nunmehr  in  hohem  Grade  Englande
  Schuldner  geworden,  werden  also  ihrerseite  wiederum  darauf
bedacht  seln  müssen,  im  Interesse  der  Herstellung  einer  erträglichen  Zablungebilanz
  die  Wareneinfuhr  aus  England  nicht  zu  vermehren,  sondern
vielmehr  ihre  Handelsbilanz  nach  Möglichkeit  zu  verbessern.  Unter  diesem
Gesichtspunkte  widerspricht  ihr  wirtschaftliches  Eigeninteresse  durchaus
dem  aus  Gründen  politischen  Druckes  und  Bluffs  propagierten  Gedanken
des  gemeinsamen  Wirtschaftskrieges.

Die  während  des  Krieges  von  England  befolgte  Taktik  bezüglich
des  Wirtschaftekrieges  läßt  sich  unter  Klärung  der  britischen  Verschleierungekünste
  nach  alledem  etwa  unter  folgende  Hauptgesichtspunkte
bringen:

1.  Deutschland  sollte  glauben,  daß  der  angedrohte  Wirtschaftskrieg
  eine  furchtbare  Gefahr  sei,  von  der  wir  uns  loskaufen  müßten  durch
sedes  noch  so  hohe  politische  Opfer.

2.  Englands  Verbündete  sollten  glauben,  daß  sich  die  ganzen
britischen  Rüstungen  der  „Reichswirtschaftspolitik“  einzig  und  allein  gegen
Deutschland  richten  und  im  Gesamtinteresse  der  Entente  liegen.

3.  Englands  Kolonien  sollten  die  Opfer  verschleiert  werden,
die  ihnen  im  Interesse  der  Industrie  zugemutet  werden.

6.