84  England  im  Wirtschaftekrieg.

Beweggrund  der  veränderten  Wirtschaftspolitik  war  keineswegs
etwa  nur  der  Handeleneid  gegen  Deutschland.  England  sieht  sich  in  der
Hauptsache  von  folgenden  Gefahren  bedroht:

1.  England  gerät  mehr  und  mehr  in  die  Schuld  Amerikae.  Die
Zahlungebilanz  wird  stark  passiv,  so  daß  schließlich  die  Rohstoffzufuhr
aue  den  Vereinigten  Staaten  eine  ständige,  drückende  Mehrung
der  Schuld  bedeuten  müßte.

2.  Die  englische  Handeleflotte  verliert  ihre  überragende  Weltstellung,
  die  Frachtraumgewinne  im  Verkehr  mit  Amerika  werden  nicht
mehr  ganz  überwiegend  in  die  britische  Tasche  fließen  und  die  Zablungebllanz
  aufbessern.

3.  Im  Osten  ist  derjapanische  Wettbewerb  mächtig  angeschwollen,
der  die  indischen  Rohstoffe  an  sich  zieht  und  die  britischen  Absatzmärkte
bedroht.

Angesichte  dieser  Gefabren  verfolgt  die  neue  britische  Reichswirtschaftspolitik
  folgende  Absichten:

1.  Die  Rohstoffeinfuhr  aue  den  Vereinigten  Staaten  zu
beschränken.

2.  Sämtliche  Rohstoffe  der  britischen  Kolonien  für  die
englische  Industrie  zu  sichern.

3.  Der  englischen  Industrie  den  Absatz  in  den  britischen  Kolonien
  monopolistisch  sicherzustellen.

So  können  wir  die  ganzen  Bestrebungen  der  sogenannten  Reichswirtschaftspolitik
  zwanglos  klarlegen,  ohne  überhaupt  Deutschland
oder  den  wirtschaftlichen  Nachkrieg  zu  erwähnen!  Wir  sehen,  daß
jene  Reichswirtschaftspolitik  nach  ihren  triftigen  Beweggründen  und  ihren
verschleierten  Absichten  für  die  Vereinigten  Staaten  und  Zapan
keinemege  etwa  weniger  Bedeutung  hat  als  für  Deutschland.

Bezüglich  der  deutschen  Interessen  gegenüber  dem  Streben  nach
englischer  Monopolisierung  des  Handele  mit  seinen  Kolonien  wäre  zu
bemerken,  daß  der  Handel  der  britischen  Kolonien  mit  Deutschland  ohnebin
  nur  recht  beschränkt  war.  Allerdings  nahm  Deutschland  im  Außenhandel
  der  britischen  Kolonien  mit  nichtbritischen  Ländern  fast  durchweg
einen  ersten  Platz  ein;  aber  es  überwog  eben  der  Handel  der  Kolonien
mit  England  und  den  übrigen  britischen  Kolonien  so  sehr,  daß  auch  für
die  an  erster  Stelle  stehenden  nichtbritischen  Länder  nur  verhältniemäßig
sehr  wenig  übrig  blieb.

Fassen  wir  nur  die  für  den  Welthandel  wichtigsten  britischen  Gebiete
ins  Auge,  also  Britisch-Indien,  Kanada,  Australien,  Britisch-Südafrika
und  das  im  Kriege  auch  zur  britischen  Kolonic  erklärte  Agypten,  so  haben
wir  für  diese  fünf  Länder  insgesamt  einen  Außenhandel  von  14½¼  Milliar-