88  —  im  Wietschaftstrieg.

Daß  diese  Sonderinteressen  der  britischen  Kolonien  insgesamt  einer
Politik  widerstreben,  die  England  das  Monopol  des  Nohstoffbezuges  aus
den  Kolonien  gewährleisten  soll,  liegt  auf  der  Hand.  Wenn  es  Britisch-Zndien
  und  Agypten  an  der  Macht,  Australien  an  dem  Willen  gebricht,
sich  den  Plänen  des  Wirtschaftskrieges  gegen  Deutschland  zu  widersetzen,
so  lehnen  sich  Südafrika  und  Kanada  —  teile  aue  Rücksicht  auf  das  natürliche
  Verlangen  der  Ausfuhrinteressenten  nach  moglichst  weiten  Absatzmärkten,
  teils  aus  grundsätzlichen  Selbständigk  —  gegen
die  Maßregeln  des  Wirtschaftekriegee  auf,  die  sich  deutlich  kennzeichnen
als  Monopolisierungebestrebungen  des  Rohstoffmarktes  zugunsten  der
Zndustriellen  in  England.

Bei  näherer  Betrachtung  ist  das  wirtschaftliche  Verhältnie  zwischen
dem  britischen  Inselreich  und  den  kolonialen  Tochterländern  bzw.  Schwesterländern,
  wie  die  Dominione  sich  schon  lange  lieber  benennen,  im  Grunde
recht  zwiespältig.  England  für  sein  Teil  hat  das  Znteresse,  die  Rohstofflieferungen
  aus  den  Kolonien  in  möglichst  monopolistischem  Bezugerecht
billigst  zu  erlangen  und  für  den  Weltmarkt  zu  verarbeiten  und  die  entsprechenden
  Erzeugnisse  auch  nach  den  britischen  Kolonien  und  Dominions
möglichst  vorteilhaft,  d.  h.  unter  Zollfreiheit  und  Zollschutz  gegenüber
den  Bezügen  der  anderen  Länder,  abzusetzen.  Die  Dominions  und
Kolonien  ihrerseite  müssen  naturgemäß  auf  einen  möglichst  günstigen
Absatz  ihrer  Rohstoffe  bedacht  sein,  der  ihnen  am  besten  gesichert  wird  durch
ungebundenen  Wettbewerb  der  verschiedenen  Kunden  auf  dem  Weltmarkt.
Sie  wollen  darüber  hinaus  in  steigendem  Maße  ihre  Rohstoffe  selbst
verarbeiten  und  sich  zu  diesem  Behuf  gegen  den  Wettbewerb  der  Fabrikateinfuhr
  nicht  nur  aus  anderen  Ländern,  sondern  auch  aus  England  zollpolitisch
  schützen.

So  klingt  es  dem  Mutterlande  gegenüber  sehr  entgegenkommend,
wenn  beispielsweise  Indien  für  die  Erzeugnisse  der  englischen  Tertilindustrie
  Vorzugszölle  einführt.  Die  englische  Textilindustrie  aber  empfündet
  schließlich  nicht  so  sehr  die  zollpolitische  Bevorzugung  gegenüber
der  Einfuhr  aus  konkurrierenden  Ländern,  wie  die  Tatsache  der  indischen
Zölle  auf  Textilstoffe  überhaupt,  die  zur  Vermehrung  der  indischen  Eigenproduktion
  und  zur  Berminderung  der  indischen  Rohstoffausfuhr  nach
England  führt.  Um  den  Kolonien  für  ihre  Erzeugnisse  Vorzugszölle
einrdumen  zu  können,  muß  England  den  allgemeinen  Übergang  zum  Schutzzollspstem
  vorziehen.  Hiervon  befürchten  die  Schiffahrtskreise  eine
Schwächung  der  gesamten  Stellung  Englande  im  Welthandel,  die  darauf
fußt,  daß  England  als  Freihandelesland  der  große  Verkehrsvermittler  für
wesentliche  Teile  Festland-Europas  sein  konnte.  Das  System  der  Vorzugezölle
  ist  aber  weiterhin  ein  Anreiz  für  die  Kolonien,  ihre  Schutzzoll-