Der  Wirtschaftskrieg  der  anderen  Länder.  91

schaftsgebieten  nur  etwa  ein  Zehntel  dieses  Betrages  auszuführen  vermochte.


Nur  durch  die  immer  wieder  gelungene  Verwicklung  Festlandeuropas
in  innere  Händel  konnte  England  die  Rolle  des  Mundes  und  Vormundes
Europas  dauernd  so  erfolgreich  spielen.  Europa  erkannte  und  erkennt
nicht,  daß  Englands  Politik  keine  europäische,  sondern  eine  durchaue
abseitige,  dem  Festland  schädliche  Politik  ist,  und  daß  nur  festländische
Schwächen  Englands  Monopolstellung  zugelassen  haben.  Zeder  über
den  Kontinent  dahinbrausende  Orkan  brachte  wirtschaftlichen  Segen  für
England.  Im  letzten  Sturme  freilich,  den  es  entfachte,  wurden  auch  seine
eigenen  Interessen  zum  Teil  empfindlich  berührt.  Wenn  es  ihm  gelang,
den  deutschen  Wettbewerber  im  Wirtschaftekrieg  zu  besiegen,  und  wenn
es  ihm  gelang,  seine  weit  ausgreifenden  politischen  Pläne  in  Afrika  und
Vorderasien  durchzuführen,  so  mußte  es  doch  anderseite  neue  gefährliche
Konkurrenten  zu  außerordentlicher  Stärkung  gelangen  sehen,  so  daß  es
an  einem  Siege  im  Wirtschaftskriege  schwerlich  eine  dauernde  Freude
wird  haben  können.

Der  Wirtschaftskrieg  der  anderen  Länder.

Es  entspricht  dem  Geist  französischer  Rachsucht  und  Gehässigkeit,
daß  die  öffentliche  Meinung  gerade  in  Frankreich  sich  außerordentlich
lebhaft  für  die  Befolgung  des  von  England  gegebenen  Beispiels  des
Wirtschaftskrieges  einsetzte.  Während  des  vorangegangenen  Oeutsch-Französischen
  Krieges  war  ein  solcher  Wirtschaftskrieg  etwas  durchaus
Unbekanntes.  Auch  während  dieses  Krieges  batte  die  die  Gesamtver--baltnisse
  überblickende  französische  Regierung  allen  Anlaß,  die  Frage  des
Wirtschaftekriegee  sehr  vorsichtig  zu  prüfen;  befand  sich  doch  unendlich
viel  mehr  französisches  Eigentum  unter  der  NMöglichkeit  deutscher  Einwirkung
  als  umgekehrt.  Die  öffentliche  Meinung  aber  hatte  in  Frankreich
schon  vor  dem  Kriege  den  Boykott  deutscher  Waren  eifrig  betrieben,  und
im  Kriege  entstand  unverzüglich  eine  Unmenge  französischer  Verbände,
die  sich  für  den  Wirtschaftekrieg  einsetzten  und  das  von  englischer  Seite
gegebene  Beispiel  mit  gallischem  Temperament  zu  befolgen  strebten.

Es  blieb  im  allgemeinen  aber  bei  den  großen  Worten,  auch  nachdem
sich  im  Februar  1915  die  zahlreichen  antideutschen  Vereinigungen  zu
einem  Gesamtverband,  der  „Fédération  nationale  des  ligues  frangaises
de  défence  économique“,  vereinigt  hatten.  Die  Regierung  beschränkte
sich  zunächst  darauf,  am  13.  August  1914  eine  Verfügung  zu  erlassen,
wonach  Waren  deutscher  und  österreichisch-ungarischer  Herkunft,  die  bei
den  Zollämtern  lagerten  und  zur  Zeit  des  Erlasses  noch  nicht  zollamtlich