96  Der  Wirtschaftokrieg  der  anderen  Länder.

knüpfung,  die  einem  wirtschaftlichen  Nachkrieg  von  russischer  Seite  bei
Wiederherstellung  geordneter  Berhältnisse  offenbar  widerraten  muß.

In  einer  besonderen  Lage  befand  sich  Italien,  unser  früherer  Verbündeter,
  dessen  Bundesgenossenschaft  übrigens  schon  von  dem  Schöpfer
dee  Dreibundes  angesichts  der  leichten  Bedrohbarkeit  der  langen  itallenischen
Küsten  von  jeher  nur  ale  wirksam  betrachtet  worden  war  unter  der  Voraus--setzung
  guter  Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  dem  mittelmeergewaltigen
  England.  Ztalien  hegte  einen  alten  Haß  gegen  ÖOsterreich-Ungarn
  und  glaubte  mit  dem  österreichischen  Heer  leicht  fertig  werden
zu  können.  Dagegen  fücchtete  es  nicht  nur  den  Waffenkrieg  mit  dem
mllitärisch  starken  Deutschland,  sondern  wußte  auch  sehr  wohl,  was  der
Verlust  des  deutschen  Absatzmarktes  durch  den  Mirtschaftskrieg  für  die
italienische  Bolkewirtschaft  bedeuten  mußte.

Ale  Italien  dem  Druck  Englands  und  der  sehr  starken  Einwirkung
der  Entente-Propaganda  auf  die  sogenannte  „öffentliche  Melnung“
folgte  und  Osterreich  den  Krieg  erklärte,  gab  Deutschland  ihm  offiziell
zu  verstehen,  daß  es  beim  Angriff  auf  Osterreich  auch  auf  deutsche  Truppen
stoßen  werde.  Kurz  bevor  Ztalien  am  23.  Mai  lols  die  Kriegserklärung
an  Osterreich-  Ungarn  erließ,  hat  nach  Zeitungsmeldungen  am  21.  Mai
vor  Abbruch  der  diplomatischen  Beziehungen  Fürst  Bülow  in  Rom  einen
Vertrag  abgeschlossen,  der  für  den  Kriegsfall  zwischen  Deutschland  und
Stalien  wechselseitig  den  Schutz  der  Personen  und  des  Eigentums  nach
Maßgabe  der  bestehenden  Gesetze  und  Rechtegrundsätze  gewährlelsten
sollte.  Soweit  des  Verfassers  persönliche  Unterrichtung  aus  erster  Quelle
zutrifft,  hat  nach  Abbruch  der  diplomatischen  Bezichungen  Fürst  Bülow
sich  mit  dem  bieherigen  italienischen  Botschafter  in  Berlin  beim  Zusammentreffen
  auf  Schweizer  Boden  während  der  beiderseitigen  Helmreise
auf  Anregung  dee  letzteren  sich  dabin  verständigt,  daß  auch  im  Fall
eines  deutsch-italienischen  Waffenkrieges  der  Wirtschaftskrieg
  grundsätzlich  ausgeschaltet  bleiben  sollte.

Die  Kriegserklärung  Italiens  an  Oeutschland  ist  erst  am  27.  August
1916  erfolgt  und  bezweckte  nicht  zuletzt,  dem  Druck  Englands  auf  die
öffentliche  Meinung  in  Ztalien  gemäß,  auch  der  letzten  Verpflichtungen
gegen  Deutschland  ledig  zu  werden  und  offiziell  den  Wirtschaftekrieg  aufnehmen
  zu  können,  der  inoffiziell  mindestene  von  privater  Seite  schon  vorher
betrieben  worden  war.

Wie  in  den  bieher  erwähnten  Ländern,  so  hatte  auch  in  Italien  das
Drängen  zum  Mirtschaftskrieg  zur  Aufgabe  deutschfeindlicher  Verelnigungen
  gehört.  Man  wagte  die  mit  dem  Fürsten  Bülow  getroffenen  Bereinbarungen
  gar  nicht  zu  veröffentlichen.  Man  duldete  oder  begünstigte
mancherlei  Maßnahmen  gegen  deutsche  Banken,  Firmen  und  Persön-