102  Der  Wlrtschaftekrieg  der  anderen  Länder.

Als  Japan  in  den  Waffenkrieg  gegen  Deutschland  eingetreten  war,  hielt
es  sich  wenigstens  unter  dem  damals  am  Ruder  befindlichen  Ministerium
von  dem  Wirtschaftekrieg  durchaue  fern.  Nirgends  sind  die  Kriegegefangenen
  besser  behandelt  worden,  nirgends  hatten  die  deutschen  Zivilpersonen
  eine  größere  Bewegungefreiheit  als  in  Japan.  Wo  sich  japanischer
  Wirtschaftschauvinismus  regte,  da  trafen  seine  Maßnahmen  nicht
nur  die  deutschen  Interessen  allein,  sondern  alle,  die  englischen  nicht
ausgeschlossen.  Erst  der  Kabinettewechsel  von  1916  zeitigte  in  der  japanischen
Regierung  eine  größere  Willfährigkeit  gegenüber  England,  die  sich  auch
in  Handelebeschränkungen  gegenüber  Deutschen  auedrückte.

Japan  hatte  alle  Hände  voll  zu  tun,  nicht  mit  wirtschaftlicher  Kriegführung,
  sondern  mit  wirtschaftlichem  Kriegsgewinn.  Es  sanierte  seine
Finanzen  in  großem  Maßstabe  durch  die  Kriegslieferungen  an  seine  Verbündeten;
  es  brachte  seine  militärische  Ausrüstung  zu  boher  Vollendung,
indem  cs  alles  alte  Kriegsmaterial  an  Rußland  abstieß;  es  gewann  die
Vorherrschaft  im  Handel  des  Indischen  und  Stillen  Ozeans,  und  ce  entwickelte
  durch  Einfuhr  indischer  Baumwolle  in  bedeutendem  Maße  seine
Textilindustrie.  Auf  den  Märkten  nicht  nur  Ostasiens,  sondern  auch  Südamerikas,
  nicht  nur  Britisch-Indiens,  sondern  auch  Britisch-Ost-  und
Südafrikas  konkurrierte  es  wirksam  mit  dem  verbündeten  England.
Allerdings  nutzte  der  japanische  Fabrikant  und  Kaufmann  im  Übermaß
die  Notlage  aller  ihm  zugänglichen  Märkte,  was  einsichtige  Kreise  in
Japan  selbst  veranlaßte,  bewegliche  Klagen  über  die  japanische  Unreellität
zu  führen,  die  sich  bei  Wiederherstellung  allseitiger  Bewegungefreibeit
auf  dem  Weltmarkt  bitter  rächen  könnte.

Indem  JZapan  sein  wichtigstes  wirtschaftliches  Kriegsziel,  die  Festsetzung
  in  Schantung,  durchzusetzen  vermochte,  hat  es,  was  wohl  bemerkt
zu  werden  verdient,  nicht  nur  einen  Schlag  gegen  Deutschland,  sondern
der  eigentlichen  Absicht  nach  einen  vielleicht  empfindlicheren  gegen  seinen
Hauptfeind,  die  Bereinigten  Staaten,  geführt.  Denn  die  Union
konnte  sich  bis  dahin  darauf  verlassen,  daß  Zapan  zu  einem  wirklich  entschiedenen
  Widerstand  gegenüber  Amerika  nicht  befähigt  sein  würde,
weil  es  auch  in  seinen  Rüstungen  von  amerikanischen  Stahllieferungen
abhängig  war.  Gerade  um  sich  aus  dieser  Abhängigkeit  zu  befreien,
brauchte  cs  die  Bodenschätze  des  ostasiatischen  Festlandes.  In  Zukunft
wird  die  Stellung  Zapans  gegenüber  Nordamerika  dank  der  Erwerbung
Schantungs  eine  sehr  viel  selbständigere  sein  können.

Was  endlich  die  zahlreichen  sonstigen  Länder  anbetrifft,  die  in  den
verschiedenen  Erdteilen  Deutschland  den  Krieg  erklärt  oder  wenigstens
die  diplomatischen  Beziehungen  zu  Deutschland  abgebrochen  haben,  so
ist  an  anderer  Stelle  bereits  der  Widerstand  betont  worden,  den  China