Oeutschlands  Ein-  und  Ausfuhr.  109

Dann  finden  wir  als  27.  Posten  in  unserer  Gesamtausfuhr  elektrische  Vorrichtungen
für  Beleuchtung  und  Kraftübertragung  mit  74  Millionen  odec  0,7  v.  H.  der  Gesomtauefuhr;
an  37.  Stelle  elektrische  Maschinen  mit  56,5  Millionen  oder  0,6  v.  H.  und  an  44.  Stelle
elektrische  Glühlampen  mit  48,1  Millionen  oder  0,5  v.  H.  Rußland  weiß  ein  Lied  davon
zu  singen,  was  das  Auebleiben  der  deutschen  Zufuhr  auf  diesen  Gebieten  zu  sagen  hat.

Der  32.  Posten  in  der  Reihe  unserer  Ausfuhrartikel  sind  Kalisalze  mit  63,7  Millionen
oder  0,6  v.  H.  der  Gesamtausefuhr.  Die  ganze  Welt  ist  abhängig  von  diesem  monopolistischen
Welthandelsartikel,  entsprechend  auch  von  der  deutschen  Ausfuhr  an  Chlorkalium,  deren
Wert  sich  auf  58,3  Millionen  oder  gleichfalls  0,6  v.  H.  unserer  Gesamtausfuhr  beläuft.

Auf  dem  41.  Posten  finden  wir  das  Indigo  mit  53,3  Millionen  (0,5  v.  H.).

Die  fünfzig  Hauptposten  deutscher  Auefubrartlkel,  die  regelmäßig  im  Statistischen
Jahrbuch  für  das  Deutsche  Reich  zusammengefaßt  werden,  reichen  nicht  bis  zu  den
23  Millionen  Mark,  auf  die  sich  die  Ausfuhr  von  Arzneimitteln  und  sonstigen  pbarmazeutischen
  Erzeugnissen  erstreckt;  aber  auch  dieser  Posten,  obwohl  unter  0,2  v.  H.  unserer
Gesamtauefuhr  zurückbleibend,  ist  für  die  anderen  Länder,  gegenwärtig  wiederum  gerade
für  unsfere  Gegner,  von  sehr  erheblicher  Bedeutung,  zumal  neben  ihm  noch  21  Millionen
Mark  chemischer  Erzeugnisse  zum  Heilgebrauch  stehen.  Auch  bier  wieder  ist  es  in  erster  Linle
Rußland,  das  durch  die  Auefälle  der  deutschen  Zufuhr  sehr  empfindlich  betroffen  wird.

Hann  ist  des  weiteren  zu  denken  an  unsere  auf  dem  Weltmarkt  an  so  hervorragender
Stelle  stehende,  vielfach  monopolistisch  arbeitende  optlsche  Industrie:  Auf  annähbernd
10  Nillionen  Mark  beläuft  sich  unsere  Ausfuhr  terrestrischer  Fernglaser,  auf  mehr  als
5  Mlllionen  die  Ausfuhr  an  sonstigen  optischen  Gläsern,  auf  fast  11  Millionen  die  Ausfuhr
von  photographlschen  Linsen  und  Apparaten,  mit  denen  wir  namentlich  England,  Rußland
  und  Frankreich  versorgt  haben;  auf  rund  7  Millionen  dle  Ausfuhr  von  anderen  Glasinstrumenten.
  Mathematische  Instrumente  führten  wir  für  3  Millionen  aus,  ebenso  optische
Meßinstrumente,  und  endlich  für  fast  9  Milllonen  chirurgische  Instrumente.

Alle  dle  bier  angeführten  Posten  gehören  zu  denjenigen  Dingen,  die  gerade  in  Kriegszeiten
  elne  wesentlich  gesteigerte  Bedeutung  gewinnen.  Es  sind  das  Waren,  deren  Zufuhr
auch  das  feindliche  Ausland  gegenwärtig  recht  dringend  bedürfte,  wennglelch  es  nachgewiesenermaßen
  in  der  Zeit  vor  Kriegsausbruch  nicht  die  Versuche  unterlassen  hat,  sich
auf  diesen  Gebieten  aus  Deutschland  möglichst  reichlich  zu  versehen.

In  jedem  Falle  zeigen  die  angeführten  Daten,  daß  es  grundfalsch  ist,  die  Stellung
des  Landes  im  Wirtschaftsleben  nur  zu  betrachten  nach  jenen  Abhänglsgkeiten  von  Bezugeund
  Absatzmöglichkeiten,  die  eine  oderflächliche  Betrachtung  der  absoluten  Hauptposten
seiner  Ein-  und  Ausfuhrstatistik  zu  offenbaren  scheint.  Das  Ausland,  das  uns  wirtschaftlich
bekriegen  und  durch  wirtschaftliche  Kriegführung  auf  die  Knie  zwingen  will,  hätte  sich  vielmehr
  die  Frage  vorzulegen,  in  welchem  Umfange  seine  elgene  Wirtschaft  abhängig  ist  von
der  Möglichkeit  des  ungestörten  Absatzes  nach  Deutschland,  und  noch  mehr,  in  welchem
Umfange  es  nicht  nur  volkswirtschaftlich,  sondern  auch  gerade  für  die  Zwecke  der  Kriegführung
  abhängig  ist  von  der  Wöglichkeit  ungestörten  Warenbezugs  aus  Deutschland.
Gerade  in  dieser  letzteren  Hinsicht  steht  die  hochentwickelte  deutsche  Felnindustrie  in  einem
solchen  Range,  daß  die  anderen  Länder  nicht  ungestraft  die  wirtschaftlichen  Beziehungen
zu  Deutschland  abbrechen  dürfen.“

Auch  die  Behandlung  der  Neutralen  durch  England  könnte
une  Fingerzeige  geben  für  unser  eigenes  Verhalten  gegenüber  den  Neutralen
  im  Wirtschaftskrieg,  wie  auch  im  Hinblick  auf  die  Gestaltung  der
wirtschaftlichen  Beziehungen  nach  dem  Kriege.  Zu  diesem  Thema  schrieb
ich  u.  a.  im  „Tag“  vom  4.  Mai  1915: