Heutschlande  Standpunkt  gegenüber  den  Neutralen.  111

treffen,  daß  sie  sehr  wohl  veranlaßt  werden  können,  ihre  Neutralitäteauffassung  noch  einmal
  gründlich  zu  revidieren!  In  erster  Linie  gilt  es  zu  diesem  Behufe  jetzt  diejenigen
wirtschaftlichen  Waffen  zu  nutzen,  die  Deutschland  an  die  Hand  gegeben  sind  durch  eine
monopolähnliche  Stellung  auf  verschiedenen  Wirtschaftegebieten.  Setzt  das  Buslness-Land
drüben  sich  rücksichtelos  hinweg  über  alle  unsere  Einsprüche,  so  ist  die  einzig  richtige  Antwort,
daß  wir  ihm  bis  auf  weiteree  beispieleweise  auch  nicht  ein  Gramm  mehr  von  unseren
Chemikalien  liefern,  auf  die  es  in  beträchtlichen  Zweigen  seines  Wirtschaftslebens  durchaus
  angewiesen  ist.  Oiese  Vorsicht  sollten  wir  ohnehin  treffen  und  unsern  Wirtschaftekrieg
gegen  England  zur  vollen  Geltung  bringen;  denn  es  unterliegt  gar  keinem  Zweifel,  daß
Amerika  auf  bestimmte  deutsche  Lieferungen  nur  dringt,  um  gewisse  Teile  dieser  Lieferungen
sofort  an  England  weiter  zu  geben.

In  den  Hotels  der  skandinavischen  Großstädte,  in  denen  diese  Geschäfte  geschoben
werden,  wird  ein  aufmerksamer  Beobachter  bierüber  reichliche  Erfahrungen  zu  sammeln

Gelegenheit  haben.  Also  schon  im  Interesse  wirksamer  Durchfübhrung  des  Wirtschaftekrieges
  gegen  England  müßten  wir  mit  allen  Lieferungen  an  die  Business-Neutralen  äußerst
zurückhaltend  sein!  Dann  aber  auch  zu  ihrer  eigenen  Belehrung  über  die  wirkliche  Macht
Deutschlande  im  Weltwirtschaftskrieg.“

Und  in  der  „Deutschen  Tageezeitung“  vom  30.  April  1915:

„Die  Politik  der  regierenden  Kreise  in  Wasbington  hat  sich  mit  der  Dauer  des  Krieges
immer  deutlicher  als  einseitig  englisch  orientiert  erwiesen.  Die  Waffen-  und  Munitionslieferungen
  aus  Amerika  an  den  Dreiverband  sind  so  weit  gesteigert  worden,  wie  die
industrielle  Leistungefähigkeit  in  den  Vereinigten  Staaten  es  nur  irgend  zuläßt.  Alle  diplomatischen
  Einsprüche  von  deutscher  Seite  werden  mehr  als  kühl  zurückgewiesen.  Versuche,
auch  Deutschland  von  dem  amerikanischen  lberfluß  wenigstene,  beispieleweise  an  Baumwolle,
  abzugeben,  werden,  obwohl  ihr  Erfolg  genau  so  im  Interesse  der  amerikanischen
Eczeuger  wie  der  deutschen  Berbraucher  läge,  im  Hinblick  auf  das  englische  Widerstreben
nur  dußerst  lau  und  nur  bie  zu  dem  Grade  verfolgt,  der  angemessen  erscheint,  um  deutsche
Gegenlieferungen  zu  erzielen,  die  für  dle  Vereinigten  Staaten  von  höchstem  Wert  sind.

Die  Handelestatistik  Deutschlande  und  der  Vereinigten  Staaten  erweist  insbesondere
eine  starke  Abbängigkeit  weiter  Zweige  des  amerikanischen  Wirtschaftslebens,  und  zwar
sowohl  in  der  Industrie  wie  auch  in  der  Landwirtschaft,  von  der  Einfuhr  deutscher
Chemikolien.  Oiese  amerikanische  Abbängigkeit  aber  gibt  uns  eln  ausgezeichnetes  Hruckund
  Erziebungemittel  an  die  Hand,  das  wir  keinesfalls  ungenutzt  lassen  sollten.  Nur  wenn
wir  den  Vereinigten  Staaten  den  praktischen  Nachweis  erbringen,  daß  es  ihren  eigenen
Interessen  widerspricht,  lediglich  auf  die  gute  Laune  Englands  zu  achten  und  sich  rücksichtelos
  hinwegzusetzen  über  deutsche  Stimmungen,  werden  wir  eine  gewisse  Wandlung  der
amerikanischen  Orientierung  herbeizuführen  hoffen  können.  Hieran  mitzuarbeiten,  ist,
wie  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  nun  einmal  liegen,  in  erster  Linie  Ehrensache  der
chemischen  Industrie  Deutschlonde,  die  ihre  auf  weiten  Gebieten  monopolähnliche
Stellung  den  vaterländischen  Interessen  dienstbar  machen  muß.  Sie  wird  ihre  Stellung
auf  dem  Weltmarkt  nicht  gefährden,  sondern  für  die  Zukunft  nur  noch  fester  begründen,
wenn  sie  jetzt  ihre  Überlegenheit  nach  jeder  Richtung  zur  Geltung  bringt!

Wir  dürfen  nicht  achtlos  starke  Trümpfe  aus  der  Hand  geben.  Das  aber  geschieht
beispielsweise,  wenn  wir  nichts  daran  finden,  daß  Amerika  die  glelchen  Mengen  deutscher
Farbstoffe  geliefert  werden  wie  in  normalen  Zeiten.  Amerika  hat  gegenwärtig  in  diesem
Artikel,  in  dem  es  auf  uns  angewiesen  ist,  keineswege  den  normalen  Bedarf,  da  die
durch  den  Krleg  herbelgeführten  Verhältnisse  auf  dem  gesamten  Weltmarkte  seinen  Absatz
beträchtlich  eingeschränkt  haben.  Infolge  der  geringen  Kaufkraft  des  Weltmarktes  ist  es
ihm  bieber  auch  nicht  in  nennenoewertem  Umfange  gelungen,  Absatzgebiete  der  deutschen