114  Deutschland  im  Wirtschaftskrleg.

sorgen,  und  zwar  hatte  es  zu  diesem  Zweck  ZItalien  vorschieben  können;
denn  Italien  machte  als  Neutraler  die  Notwendigkeit  ungestörter  Berbindung
  mit  seinen  westafrikanischen  Kolonien  durch  den  Suezkanal
geltend  und  erreichte  hierdurch  bei  der  deutschen  Politik  eine  Beeinflussung
der  Türkei  im  Sinne  der  Respektierung  italienischer  Verkehrsfreiheit  im
Suezkanal.  Mit  unzulänglichen  Mitteln  gegen  diesen  Kanal  unternommene
Streifzüge  konnten  dann  nichte  weiter  erreichen  als  eine  Vermehrung
der  englischen  Wachsamkeit  und  einen  Ansporn  in  den  britischen  Vorbereitungen,
  das  Glacis  Agypptens  weit  über  den  Suezkanal  und  die
Halbinsel  Sinai  nach  Palästina  hinauszuschieben.

Während  der  ganzen  ersten  Kriegöhälfte  war  das  für  die  Gegenoffensive
im  Wirtschaftskrieg  so  besonders  wichtige  Problem  des  Suezkanals  in
unzulänglicher  Weise  behandelt  worden.  Zwischen  den  beiden  Möglichkeiten,
entweder  mit  kühnem  Handstreich  sofort  an  die  Zerstörung  des  Suezkanals
  zu  gehen,  oder  aber  in  aller  Stille  die  nötigen  Vorbereitungen  für
seine  ernsthafte  und  dauernde  Bedrohung  zu  treffen,  wählte  man  den
unglücklichsten  Mittelweg,  zwar  nichte  Ernstee  zu  unternehmen,  wobl  aber
durch  kleine  Streifzüge  die  Aufmerksamkeit  der  Engländer  zu  schärfen
und  ihr  Berlangen  nach  Weiterhinausschiebung  des  Glacis  zu  wecken.

Wie  England  in  der  ersten  Kriegszeit  Ztalien  klug  genutzt  hatte,  um  sich
die  Verkehrsfreiheit  im  Suezkanal  zu  sichern,  so  nutzte  es  die  Vereinigten
Staaten  zur  Abwehr  des  energischen  U-Bootkrieges.  —  Die  Vereinigten
Staaten,  die  unsere  amtlichen  Stellen  bie  zum  Augenblick  ihrer  Krlegeerklärung
  und  trotz  aller  so  sichtbaren  Gegenbeweise  immer  noch  für
neutral  gehalten;  die  Vereinigten  Staaten,  deren  Botschafter  in  Berlin
in  der  ersten  Mobilmachungewoche  angesichts  des  Gesuche  einee  amerikanischen
  Offiziers,  ihm  zum  Eintritt  in  die  preußische  Armee  zu  verhelfen,
den  denkwürdigen  Ausspruch  tat:  „Dieser  Narr  weiß  nicht,  daß  wir  auf
der  Gegenseite  stehen  !“  Mit  Amerikas  Hilfe  hat  England  une  die  Hauptwaffe
  der  wirtschaftlichen  Gegenoffensive  so  lange  aue  der  Hand
geschlagen  bzw.  stumpf  gemacht,  bis  es  mit  seiner  militärischen  Abwehr
dieses  deutschen  Kampfmittels  weit  genug  gediehen  war,  um  Amerika#
offenes  Eintreten  in  den  Krieg  nicht  mehr  als  Signal  zur  Verschärfung
der  deutschen  Gegenoffensive  fürchten  zu  müssen,  sondern  ale  höchst
wirksame  Unterstützung  der  eigenen  Westoffensive  begrüßen  zu  können.

Das  U-Boot  war  die  einzige  Waffe,  die  überhaupt  in  der  Lage  hätte
sein  können,  Deutschland  eine  großzügige  und  wirksame  Erwiderung  des
englischen  Wirtschaftskrieges  zu  ermöglichen.  Angesichte  der  insularen
Lage  Englande  und  der  gewaltigen  Stärke  seiner  Flotte  war  ein  Hinüber--tragen
  des  Waffenkrieges  nach  England  in  für  dieses  Land  ernstlich  bedrohlicher
  Weise  nicht  durchführbar,  zumal  nachdem  wir  bei  Kriegebeginn