Deutsche  Gegenoffensive  im  Wirtschaftskrleg.  115

unser  Augenmerk  ausschließlich  auf  Paris  und  nicht  auf  Calais  gerichtet
hatten.  Wenn  wir  aber  im  Waffenkrieg  England  weder  auf  seiner  Insel,
noch  auf  dem  Wege  durch  Vorderasien  nach  Ägypten  oder  Indien  wirklich
zu  bedrohen  vermochten  —  für  die  letzteren  Möglichkeiten  fehlte  es  uns
an  den  Verkehremitteln,  die  England  für  seine  Verteidigung  reichlich
zu  Gebote  gestanden  haben  würden  —,  so  konnte  eben  nur  der  Wirtschaftekrieg
  eine  Handhabe  bieten,  England  nachhaltig  zu  schwächen.  Englande
eigenes  Vorgehen  mit  seiner  völkerrechtswidrigen  Blockadepolitik  zeigte
uns  den  Weg  zu  den  Sperrgebieteerklärungen  und  zur  rücksichtslosen
Autzung  jeder  Möglichkeit,  mit  der  neuen  Waffe,  unseren  U-Booten,  für
die  wir  nach  englischem  Muster  die  Formulierung  eines  neuen  Rechtes
der  Seekriegführung  sehr  wohl  beanspruchen  konnten,  Englande  wirtschaftliche
  Versorgung  lahmzulegen.

Biele  Anzeichen  sprechen  dafür,  daß  England  im  Jahre  1916  tatsächlich
  durch  einen  scharfen  U-Boottrieg  in  äußerste  Berlegenheit  gebracht
worden  wäre  und  selbst  mit  der  Notwendigkeit  rechnete,  den  Krieg  abzubrechen.
  ZJe  länger  sich  aber  die  ihm  gestellte  Frist  hinzog,  um  so  stärker
wurde  selbstverständlich  die  Zeit  genutzt,  um  alle  Mittel  zur  Abwehr
des  U-Bootkriegee  zu  größter  Bollkommenheit  zu  entwickeln.  In  welchem
Grade  dles  gelang,  davon  zeugte  schließlich  die  Tatsache,  daß  die  amerikanischen
  Truppentraneporte  über  den  Ozean  sich  ohne  Berluste  abzuwickeln
  vermochten.  Das  verspätete  Einsetzen  des  intensiven  Wirtschaftskrieges
  gegen  England  durch  die  U-Bootwaffe  hat  seine  Wirksamkeitaußerordentlich
  beschränkt,  und  es  war  schließlich  nicht  mehr  möglich,
dem  deutschen  Wirtschaftekrieg  gegen  das  Inselreich  die  Borhand  vor  dem
englischen  Wirtschaftekrieg  gegen  die  Mittelmächte  zu  geben.  Dadurch
aber  war  die  Voraussetzung  geschaffen,  unter  der  das  englische  Volk
länger  die  Nerven  behalten  konnte  als  das  deutsche  und  daß  demgemäß
der  Krieg  mit  dem  deutschen  Zusammenbruch  aueging.

Der  Wirtschaftsfrieden  im  OÖsten.

Grundlegende  Veränderungen  im  Bilde  des  Wirtschaftskrieges  und
namentlich  auch  im  Hinblick  auf  den  wirtschaftlichen  Nachkrieg  versprachen
Anfang  1918  die  Friedensschlüsse  im  Osten  zu  bringen.  Ale  Rußland  sich
gezwungen  sah,  die  Waffen  niederzulegen,  war  der  feindliche  Einkreisungering
  gesprengt  und  eine  bessere  Versorgung  der  Mittelmächte  für  den
Rest  der  Kriegszeit  in  Auesicht  gerückt.  Allerdinge  durften  angesichte,
des  Zustandes,  in  dem  die  verschiedenen  Teile  des  alten  Zarenreiches
sich  zu  jenem  Zeitpunkt  befanden,  die  Hoffnungen  auf  eine  alebaldige
reichliche  Versorgung  Deutschlands  mit  Lebenemitteln  und  Rohstoffen

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