120  Der  Wirtschaftsfrieben  im  Osten.

Diese  Bestimmungen  gaben  uns  die  Möglichkeit,  den  wirtschaftlichen
  Abschließungsbestrebungen  der  Westmächte  unter  Englands  Führung
entgegenzusetzen:  einen  großen  wirtschaftepolitischen  Bund  in  Mitteleuropa;
  engen  wirtschaftlichen  Zusammenhalt  Oeutschlands  mit  einem
wesentlich  erweiterten  Kolonialreich,  das  wir  uns  auf  europäischem  Boden
und  durch  die  Wirkung  unserer  U-Boote  noch  zu  erkämpfen  hofften;
Vorzugsbelieferung  Deutschlands  aus  den  weiten  fruchtbaren  Gebieten
rings  um  das  Schwarze  Meer  unter  entsprechender  Beschränkung  dortiger
Lieferungen  für  England.

Dae  wären,  richtig  gewertet  und  genutzt,  wichtige  Waffen  im  Kampf
für  und  wider  den  künftigen  wirtschaftlichen  Nachkrieg  gewesen.  Zu  ihnen
bätte  sich  eine  Einkaufepolitik  zu  gesellen  gehabt,  die  sich  einerseite  auf  die
im  Kriege  geschaffenen  Ersatzstoffe,  anderseite  auf  den  Berzicht  auf  vielerlei
Lieferungen  namentlich  der  britischen  Kolonien  durch  Bezüge  aus  dem
nahen  Sddosten  hätte  stützen  können.  Wenn  ee  in  der  Lage,  die  wir
damals  für  das  Kriegsende  erhoffen  konnten,  zu  Friedensverhandlungen
im  Westen  kam,  dann  sollte  es  nicht  mehr  heißen:  Wir  ersuchen  euch,  auf
diese  oder  jene  Maßregel  des  geplanten  Wirtschaftekrieges  zu  verzichten,
und  sind  bereit,  dafür  diese  oder  jene  militärischen  Erfolge  hinzugeben,
sondern:  Nur  wenn  ihr  auf  den  Wirtschaftskrieg  nach  dem  Kriege  verzichtet,
  werden  wir  euch  das  Zugeständnis  machen,  auf  die  Rutzung  dieser
und  jener  une  möglichen  wirtschaftlichen  Gegenmaßregeln  zu  verzichten.

Die  Ausarbeitung  der  wirtschaftlichen  Richtlinien  für  die  Friedens--verträge
  lag  in  den  Händen  des  zwar  offiziell  aus  dem  Amte  geschiedenen,
gleichwohl  ehrenamtlich  mit  den  maßgebenden  Vorbereitungen  und
Entscheidungen  und  weitestgehenden  Befugnissen  betrauten  Staateministers
  Dr.  Helfferich.  Er  stellte  über  die  Verhandlungen  für  den
östlichen  Wirtschaftsfrieden  folgende  Hauptpunkte  des  Bertragsprogramms
auf:

1.  Wiederherstellung  der  Privatrechte.

2.  Freigabe  beschlagnahmter  Vermögenewerte.

3.  Rückübertragung  zwangsweise  eingezogener  oder  veräußerter
Grundstücke  und  Unternehmungen.

4.  Ersatz  für  die  durch  die  Anwendung  von  Kriegegesetzen  verursachten
Schädigungen.

5.  Ausschluß  aller  weiteren  Maßnahmen  dee  Wirtschaftskrieges
  mit  sicherer  Gewährleistung  gegen  jede  Duldung  irgendwelcher
Treibereien  im  Sinne  des  Wirtschaftskrieges  nach  dem  Kriege.

Alle  diese  Punkte  fanden  sich  in  dem  schließlich  zustande  gekommenen
Vertrag  mit  Rußland  berücksichtigt;  insbesondere  die  zuletzt  erwähnte
Forderung  war  in  der  Formulierung  dieses  Vertrages  mit  solcher  Schärfe