Oeutschlands  Einfuhrbedarf  an  landwirtschaftlichen  Erzeugnissen.  123

bei  der  Betrachtung  des  landwirtschaftlichen  Einfuhrbedarfs  wohl  zuerst
ins  Auge  zu  fassen  geneigt  sind,  kam  die  deutsche  Landwirtschaft  dank
technischer  Entwicklung  in  einem  Maße  auf,  das  zwar  zur  Bedarfsdeckung
nicht  ausreichte,  aber  doch  mit  dem  raschen  Bevölkerungswachstum  im
allgemeinen  gut  Schritt  hielt.

Die  Bevölkerung  des  Deutschen  Reiches  stieg  von  1881/83  bis  1911/13,
in  Verhältniszahlen  ausgedrückt,  von  100  auf  145.  Eleichzeitig  stieg  die
Ernte  an  Weizen  von  100  auf  188,  an  Getreide  überhaupt  von  100  auf  193,
an  Kartoffeln  von  100  auf  202.  Der  VBiehstand  stieg  zahlenmäßig  nur
bei  Schwelnen  rascher  als  die  Bevölkerung,  nämlich  von  100  auf  238.
Wenn  er  beim  Rindvieh  nur  von  100  auf  128  stieg,  so  ist  unter  Berücksichtigung
  der  großen  Qualitäte-  und  Gewichteverbesserung  doch  sicher
ein  Schritthalten  mit  dem  Bevölkerungswachetum  vorauezusetzen.  Hinsichtlich
  der  Fleischversorgung  wurde  die  Verminderung  der  Schafe  von
100  auf  30  reichlich  ausgeglichen  durch  das  starke  Steigen  des  Schweine--bestandes.
  Dagegen  ging  die  eigene  Versorgung  mit  Wolle  stark  zurück.
Daß  der  Pferdebestand  nur  von  100  auf  129  stieg,  will  betrachtet  sein  im
Zusammenhang  mit  der  stärkeren  Verwendung  des  Kraftwagens  und
der  landwirtschaftlichen  Maschinen.

Abgesehen  von  der  Wolle,  ist  die  landwirtschaftliche  Erzeugung  in
Deutschland  sicher  in  schnellerem  Zeitmaß  gestiegen  als  die  Einwohnerzahl,
aber  sie  stieg  langsamer,  als  der  Bedarf  der  Bevölkerung  mit  fortschreitendem
  Wohlstand  und  allgemeiner  Hebung  der  Lebenehaltung  sich  gleichzeitig
  entwickelt  hat.  Im  Kriege  mußten  die  Ansprüche  an  die  Lebenehaltung
  so  weit  herabgeschraubt  werden,  daß  die  Volksernährung  zur
Anpassung  an  die  landwirtschaftliche  Erzeugung  gelangte.  Erschwerend
trat  hinzu  die  Verminderung  der  Ernten  infolge  Mangels  an  Personal
und  Materlal  für  die  Bewirtschaftung.

Diesenigen  Länder,  mit  denen  wir  auch  im  Kriege  den  Handelsverkehr
  aufrechterhalten  oder  zwangsweise  wieder  eröffnen  konnten  (Verbündete,
  neutrale  Nachbarn,  besiegte  Gegner),  kamen  für  unsere  ergänzende
Versorgung  verhältnismäßig  nur  sehr  wenig  in  Betracht,  zumal  auch  in
den  anderen  am  Kriege  beteiligten  Ländern  die  Ernte  entsprechende
Einbuße  erlitt.  Unser  landwirtschaftlicher  Einfuhrüberschuß  insgesamt
aus  diesen  Ländern  kriegewirtschaftlichen  Verkehrs  beschränkte  sich  auf
280000  t.  An  Brotgetreide  batten  wir  gerade  im  Verkehr  mit  diesen
Ländern  im  Frieden  sogar  einen  Ausfuhrüberschuß  von  über  690000  t
gehabt,  an  Zucker  einen  solchen  von  288000  t.  Nur  an  Gemüse
lieferten  sie  uns  einen  namhaften  Einfuhrüberschuß  von  464000  t,  an
Obst  195000  t.  Der  Einfuhrüberschuß  an  Futtermitteln  war  in  Höhe  von
359000  t  nur  gering  im  Bergleich  zum  Gesamtbedarf.  Die  größte  Nolle