128  Der  Wlrtschaftsfrieden  im  Osten.

zu  Lande  vollzieht,  teils  im  Austausch  von  Industrieerzeugnissen  besteht,
Belgien  und  die  Niederlande  als  Zwischenhändler.  Im  Verkehr  mit  all
diesen  Ländern,  soweit  sie  uns  selbstproduzierte  Rohstoffe  liefern,  ist  die
deutsche  Handelsbilanz  passiv.  Die  noch  weit  stärker  ausgeprägte  Passivität
der  Frachtraumbilanz  erklärt  sich  aus  der  vorwiegenden  Einfuhr  von
Rohstoffen,  die  viel  Frachtraum  beanspruchen,  wogegen  die  Ausfuhr
aus  hochwertigen  Fertigfabrikaten  besteht,  die  im  Vergleiche  zu  ihrem
Wert  nur  wenig  Laderaum  beanspruchen.

Bei  allen  Rohstofflieferanten  also  zeigt  sich  naturgemäß  die  Erscheinung
  einer  sehr  starken  Passivität  unserer  Frachtraumbilanz.  Aur
im  Verkehr  mit  England  liegen  die  Berhältnisse  anders,  weil  hier  die
Handelebllanz  im  allgemeinen  ja  bestimmt  wird  durch  den  Austausch
von  Industrieerzeugnissen.  Nur  die  starke  Kohlenausfuhr  aus  England
verschiebt  das  Bild  der  Frachtraumbilanz  gegenüber  der  Handelsbilanz.

Vor  welche  Aufgaben  stellt  uns  nun  die  Umgestaltung  der
Zahlungebilanz,  die  der  Krieg  bewirkt  hat,  im  Verein  mit  dem  Frachtraummangel
  bezüglich  der  wünschenswerten  Einwirkung  auf  die  Handelebilanz?


Was  in  dieser  Beziehung  über  den  Berkehr  mit  Ost-  und  Südosteuropa
  zu  sagen  ist,  wurde  in  der  Hauptsache  schon  oben  angedeutet:
Wir  müssen  uns  nach  Möglichkeit  aus  diesen  Ländern  zu  versorgen  trachten,
da  sie  sich  künftighin  auch  zu  kaufkräftigen  und  willigen  Abnehmern  zu
entwickeln  versprechen,  wogegen  die  Vereinigten  Staaten  sich  gegenüber
unseren  Industrieerzeugnissen  immer  mehr  abschließen  werden  und  ihre
Zahlungsbilanz  ung  gegenüber  ungeheuer  verbessert  haben.  Passive
Frachtraumbilanz  läßt  sich  am  ehesten  dort  ertragen,  wo  die  Zahlungebilanz
  aktiv  ist,  und  dieser  Zustand  eben  ist  künftighin  am  sichersten  zu
erreichen  im  Berkehr  mit  dem  Osten  und  Südosten.  Wo  aber  die  Zablungsbilanz
  so  ungünstig  ist,  wie  sie  sich  künftig  im  Verkehr  mit  den  Vereinigten
Staaten  zu  entwickeln  verspricht,  da  muß  Bedacht  genommen  werden
auf  möglichste  Erzielung  des  Gleichgewichts  in  der  Frachtraum-  und
Handelebilanz.

Ist  es  nun  möglich,  von  der  großen  Unterbilanz  im  Handels-  und
Schiffeverkehr  mit  den  Bereinigten  Staaten  loszukommen?

Diese  Frage  wird  bei  näherer  Prüfung  wohl  in  recht  beträchtlichem  Umfange
  bejaht  werden  können.  Allerdinge  erscheint  das  Bild  der  Bilanz  der
Warenmengen  im  Verkehr  der  wichtigen  Güter  zwischen  Deutschland
und  Rußland  noch  sehr  viel  ungünstiger  als  im  Verkehr  zwischen  Deutschland
  und  den  Bereinigten  Staaten.  Aber  die  Berhältnisse  liegen  im
Hinblick  auf  beide  Länder  doch  recht  wesentlich  verschieden,  gerade  wenn
es  sich  um  die  künftige  Frachtraumbilanz  und  Zahlungebilanz  bandelt.