130  Der  MWirtschaftefrieden  im  Osten.

beschränken  drohten,  sondern  auch  den  britischen,  da  ja  England  selbst
bestrebt  sein  müßte,  seine  Zahlungsbilanz  gegenüber  den  Bereinigten
Staaten  zu  verbessern,  indem  es  sich  in  gesteigertem  Maße  aus  seinen
Kolonien  mit  den  bis  dahin  aus  den  Vercinigten  Staaten  bezogenen
Rohstoffen  versorgte.

Vor  dem  Kriege  fand  in  der  den  Bereinigten  Staaten  gegenüber
so  ungünstigen  Frachtraumbilanz  deutscherseits  ein  weitgehender  Auegleich
  statt  durch  die  massenhafte  Beförderung  von  Ausländern  auf  deutschen
Schiffen.  Das  Urteil  über  die  Frage  der  Auswanderung  nach
dem  Kriege  hat  während  deeselben  beträchtliche  Anderungen  erfahren
müssen.  Zunächst  hatte  es  den  Anschein,  als  ob  nach  dem  Kriege  die  europäische
  Auswanderung  nach  den  Bereinigten  Staaten  ersetzt  werden
sollte  durch  eine  beträchtliche  Rückwanderung  aus  Amerrika  nach  Oeutschland
  und  Osteuropa.  Deutschland  selbst  hatte  ja  schon  seit  Jahren  keine
nennenewerte  Aueswanderung  mehr,  beförderte  aber  auf  seinen  Schiffen
einen  großen  Teil  der  aus  Ost-  und  Südosteuropa  über  den  Ozean  strebenden
  Auswandererscharen.  Viele  Söhne  Oeutschlands  zog  es  im  Kriege
nach  der  alten  Heimat  zurück,  ohne  daß  sie  die  Mäöglichkeit  der  Ausreise
gehabt  hätten.  Die  Auswanderung  aus  Ost-  und  Südosteuropa  war
früber  stark  beeinflußt  gewesen  durch  die  wirtschaftliche  Vernachlässigung
Südrußlande  unter  dem  Zarenregiment;  die  ungünstigen  sozialen  Verhältnisse
  im  neuen  Rußland  versprachen,  solange  und  soweit  es  nicht  bolschewistisch
  durchseucht  war,  sich  wesentlich  günstiger  zu  gestalten  und  die
Aussichten  eines  großzügigen  wirtschaftlichen  Neubaues  zu  entwickeln.
Auch  Osterreich--Ungarn  hatte  immer  noch  eine  starke  Auswanderung
aufzuweisen,  hätte  aber  im  Falle  des  Zusammenhaltens  bei  Kriegoende
nach  den  starken  Kriegeopfern,  die  es  zu  tragen  gehabt,  alle  Kräfte  zur
Ausfüllung  der  entstandenen  Lücken  und  zu  rationellerer  Durcharbeitung
seiner  Volkswirtschaft  gebrauchen  können.  Die  Auswandererländer  inegesamt
  konnten  bei  normalem  Auegang  des  Krieges  sicherlich  keinen  Anlaß
haben,  die  amerikanische  Konkurrenz  noch  weiter  zu  fördern,  indem  sie
ihr  die  Arbeitskräfte  lieferten.

Amerika  seinerseits  hat  während  des  Krieges  auch  seine  Einwanderungsgesetzgebung
  noch  weiter  verschärft,  um  sich  nicht  nur,  wie  es  früher
schon  geschehen,  unbemittelte  Elemente  fernzuhalten,  sondern  auch
ungebildete,  die  die  amerikanischen  Arbeitern  eine  ihnen  unerwünschte
lohndrückende  Konkurrenz  befürchten  ließen.  Aun  freilich  haben  sich
schließlich  die  Verhältnisse  in  Mittel-  und  Osteuropa  so  ungünstig  entwickelt,
  daß  wir  offenbar  auch  in  Deutschland  vor  einem  großen  Anschwellen
  der  Auswanderung  stehen,  die  aber  nur  in  begrenztem  Maße
Zutritt  zu  den  Vereinigten  Staaten  finden  wird.  Wenn  sich  die  Ver-