Die  Auswanderungsfrage.  Nichtungsänderungen  im  Welwerkehr.  131

hältnisse  im  Osten  endlich  wieder  festigen,  wäre  cs  dringend  erwünscht,  den
Strom  der  Auswanderer,  in  Wiederaufnahme  der  alten  germanischen
Kolonisationsarbeit,  möglichst  in  diese  Richtung  lenken  zu  können.

Gewisse  Richtungsänderungen  im  Weltverkehr  werden  sich
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  immerhin  auch  unter  den  jetzigen,  gegenüber
den  Zeiten  des  Wirtschaftskrieges  im  Osten  so  wesentlich  veränderten
Verhältnissen  für  die  Folgezeit  doch  ergeben.  Die  zwangsweisen  Richtungeänderungen,
  die  der  Krieg  dem  weltwirtschaftlichen  Verkehr  vorgeschrieben,
  indem  die  Mächte  Mitteleuropas  von  Nbersee  ausgeschlossen
sind,  finden  zwar  mit  dem  Friedensschluß  ihr  Ende;  aber  keinesfalle  können
die  alten  Verkehrebeziehungen  hinüber  und  herüber  in  ungefähr  gleicher
Weise  wie  etwa  im  Zuli  1914  wieder  aufgenommen  werden.  Die  eigene
Zielsetzung  des  Verkehrs  über  die  Meere  ist  Deutschland  zwar  stark  eingeschränkt
  dadurch,  daß  es  seine  Handelsflotte  hat  bergeben  müssen  und
sich  in  der  Hauptsache  dem  englischen  Zwischenhandel  überwiesen  sieht.
Anderseits  gewinnen  hierdurch  gerade  für  uns  die  mehr  unserer  Willensbestimmung
  zugänglichen  Wege  über  Land,  über  die  mittel-  und  osteuropäischen
  Binnenwasserstraßen  und  im  Nahverkehr  der  europäischen
Meere  noch  weiter  an  Interesse.

Es  wäre  verfehlt,  anzunehmen,  daß  die  einmal  vom  Weltverkehr  eingeschlagenen
  Hauptstraßen  dauernd  in  vollem  Umfange  diesen  Charakter
der  Hauptstraßen  beibehalten  müßten,  und  daß  nicht  neue  Epochen  weitgehende
  Anderungen  in  den  Hauptrichtungen  des  Weltverkehre  mit  sich
zu  bringen  vermöchten.

Gerade  die  Frage  der  Binnenwasserstraßen  hat  durch  den  Krieg
ein  anderes  Gesicht  gewonnen.  Die  Notwendigkeit  einer  weitgehenden
Entlastung  der  Eisenbahnen  durch  Wasserstraßen  ist  auch  den  Widerstrebendsten
  handgreiflich  klar  geworden.  Donau,  Weichsel  und  Düna
haben  eine  neue  Verkehrsbedeutung  erhalten.  Mit  dem  Ausbau  des
Verkehrsnetzes  und  der  Berengung  der  wirtschaftlichen  Beziehungen
wird  auch  der  Donauverkehr  seinen  „rückläufigen“  Charakter  abstreifen,
indem  den  Bergtraneporten  von  Getreide,  Erdöl  und  dergleichen  Talfrachten
  von  Kohle,  landwirtschaftlichen  Maschinen  und  Geräten,  Erzeugnissen
  der  Metallindustrie  usf.  an  die  Seite  treten  können.  Der  neue
Osten  Mitteleuropas  steht  vor  einer  ganz  neuen  Entwicklung,  wenn  der
politischen  Befreiung  die  wirtschaftliche  Erschließung  durch  großzügigen
Ausbau  der  Wasserstraßen  zwischen  der  Ostsee  und  dem  Schwarzen
Meer  folgt.

Wae  die  neue  ANutzung  alter  Rohstoffquellen  und  Produktionemöglichkeiten
  anbelangt,  so  sind  während  des  Krieges  unter  dem  Druck  des
Erxzmangels  in  Mitteleuropa  alte  Vorkommen  auf  balkanischem  und

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