132  Der  Wlrtschaftsfrieden  im  Osten.

türkisch-asiatischem  Boden  neu  untersucht  worden;  haben  die  Mineralschätze
  des  Kaukasus  in  bedeutend  gesteigertem  Maße  unsere  Aufmerksamkeit
  auf  sich  gelenkt;  sind  die  für  den  Anbau  von  Olpflanzen  und  Baumwolle
  geeigneten  Ländereien  auf  für  Mitteleuropa  auch  unter  den  Absperrungeverhältnissen
  dee  Krieges  erreichbarem  Boden  diesen  Kulturen
in  vermehrtem  Maße  erschlossen  worden;  steht  der  Anbau  von  Faserpflanzen
  in  den  baltischen  Prooinzen,  in  Litauen  und  auch  bei  uns  selbst
vor  großer  Entwicklung.

Anderseits  sind  künstliche  Verkehreablenkungen  und  künstliche  Verkehrehemmnisse
  über  die  Kriegszeit  hinaus  aufgetan:  England  predigt
bei  seinen  Bundeegenossen  den  Rohstoffbopkott  gegen  Deutschland,  und
wenn  auch  —  zumal  bei  der  ablehnenden  Haltung  der  Vereinigten  Staaten
—  dieser  Rohstoffbopkott  keineswege  in  umfassender  wirtschaftlicher  Einkreisung
  Deutschlands  wird  durchgeführt  werden  können,  so  bleibt  England
um  so  entschiedener  doch  wenigstens  bei  dem  Versuch,  die  Rohstoffe  seiner
scämtlichen  Kolonien  an  sich  zu  ziehen  und  für  sich  zu  monopolisieren.

Aus  allen  diesen  Gründen  und  noch  aus  manchen  anderen  steht
uns  ohne  Frage  eine  erhebliche  Richtungsänderung  im  Weltverkehr
bevor.

Schon  in  dem  Kapitel  über  den  englischen  Wirtschaftskrieg  war
dargelegt,  daß  eine  beträchtliche  Einschränkung  des  transatlantischen
Verkehrs  zu  erwarten  sei,  da  England  im  Interesse  seiner  Zahlungs--bilanz
  Bedacht  nehmen  muß  auf  möglichst  weitgehende  Versorgung  aue
seinen  Kolonien  unter  Verzicht  auf  amerikanische  Lieferungen.  Die
Vereinigten  Staaten  haben  auch  im  Kriege  ihre  industrielle  Eigenproduktion
  so  stark  ausgebaut,  daß  sie  künftig  noch  wesentlich  schlechtere  Abnehmer
  Europas  sein  werden  ale  schon  vordem.

Bor  dem  Kriege  lieferten  die  Bereinigten  Staaten  gewaltige
Mengen  aus  ihrer  Uberschußproduktion.  Es  gab  eine  Zeit,  in  der  sie
Europa  mit  Getreide  überfluteten.  Die  Getreideausefuhr  aber  hatte  sich
schon  lange  wesentlich  vermindert,  da  der  Eigenbedarf  der  Bereinigten
Staaten  mit  wachsender  Bevölkerung  zusehende  gestiegen  war.  Zetzt
lieferten  sie  vor  allen  Dingen  Baumwolle,  ferner  Kupfer,  Erdöl,  Futter--mittel
  und  Erzeugnisse  ihrer  Viehzucht,  auch  Industrieerzeugnisse,  namentlich
  Maschinen.  Trotz  des  starken  Wachstums  seiner  Bevölkerung
war  Amecrika  seinerseits  ein  immer  schlechterer  Käufer  auf  dem  europäischen
Markte  geworden,  da  es  seine  eigene  Zndustrie  immer  stärker  entwickelte,
nicht  nur  große  Teile  des  Eigenbedarfs  deckte,  sondern  auch  auf  anderen
Absatzmärkten,  besondere  in  Südamerika,  mit  der  europäischen  Ausfuhrindustrie
  in  Wettbewerb  trat.  So  gestaltete  sich  die  amerikanische
Handelebilanz  für  Europa  ungemein  ungünstig,  da  ja  Europa  für  Milliar-