134  Der  Wirtschaftsfrieden  im  Osten.

gewinnen.  Im  kaspischen  Gebiet  endlich  steht  eine  ausgedehnte  Baumwollproduktion
  mitten  in  der  Entwicklung.  Die  Länder  zwischen  der
Ostsee  und  dem  Schwarzen  Meer  und  im  weiten  Umkreis  um  dieses
letztere  vermögen  bei  gesteigerter  Intensität  des  Ackerbaues,  ineobesondere
beim  vermehrten  Anbau  von  Olfrüchten  in  den  südlicheren  Gebieten,
auch  unseren  Bedarf  an  Nahrunge-  und  Futtermitteln,  ferner  an  Genußmitteln,
  wie  Obst,  Südfrüchten,  Wein,  Zigaretten,  Tabak,  vollauf  zu
decken.  Weiterbin  ist  der  Osten  in  der  Lage,  für  unseren  ganzen  Holzbedarf
  aufzukommen.  Bezüglich  des  Erdöls  machen  die  rumänischen
Lieferungen  —  bei  größerer  Bedarfesteigerung  nötigenfalls  ergänzt
durch  die  kaspischen  Gebiete  —  uns  von  den  Vereinigten  Staaten  völlig
unabhängig.  Kupfer  haben  wir  im  Kriege  in  weitem  Umfange  vorteilhaft
zu  ersetzen  gelernt  durch  Aluminium  und  andere  Metalle;  für  den  als
notwendig  verbleibenden  Rest  können  der  Kaukasus  und  der  Balkan  aufkommen,
  die  uns  auch  mit  anderen  Erzen  zu  beliefern  vermögen.  Besonders
  wichtig  ist  dabei  die  Möglichkeit  der  Deckung  unseres  Manganerzbedarfs
  vom  Kaukasus  her.

Verblieben  demnach  unter  unseren  Hauptbedarfeartikeln  bisher  nordamerikanischen
  Ursprunge  nur  die  tierischen  Fette,  die  zum  Teil  ersetzt
werden  könnten  durch  vermehrten  Bezug  aus  Rußland.

So  lange  Rußland  ein  einheitliches  Wirtschaftsgebiet  mit  starker
Abschließungspolitik  nach  außen  hin  und  mit  einer  Tarifpolitik  im  Innern
bildete,  die  künstlich  Industriegebiete  für  Moskau  und  Petereburg
großzüchtete,  fand  hier  eine  starke  Menschenansammlung  statt,  für  deren
Ernährung  die  unentwickelte  Landwirtschaft  im  eigentlichen  Rußland
nicht  ausreichte.  Nahrungemittel  und  Rohstoffe  mußten  aus  dem  europdischen
  Südrußland  und  auch  aus  den  vorder-  und  mittelasiatischen
Gebieten  herangezogen  werden.  Das  Auseinanderblättern  der  russischen
Artischocke  schafft  in  all  diesen  Beziehungen  wesentlich  veränderte  Verhältnisse.
  Die  künstliche  Begünstigung  der  Moskauer  und  Petersburger
Industrie  fällt  weg,  und  das  Wirtschaftespstem  des  Bolschewiemus  hat
das  Seine  dazu  beigetragen,  die  Industrie  zum  Erlahmen  zu  bringen.
Oamit  schwinden  aber  auch  die  künstlich  geschaffenen  Vorbedingungen  für
eine  Menschenanhäufung  über  das  aus  dem  eigenen  Lande  ernährbare
Maß  binaus,  und  beträchtliche  Mengen  von  Nahrungemitteln  und  Roh--stoffen
  aus  Südrußland  und  Russisch-Asien  werden  für  den  Weltmarkt
  frei.  Vermehrte  Mengen  von  Weizen,  Olfrüchten  und  Wolle  aus
der  Ukraine,  aber  auch  von  Kupfer,  Manganerz,  Schwefel,  Baumwolle
und  Südfrüchten  aus  Transkaukasien,  Baumwolle,  Reis  und  Tee  Turkestans
  können  an  den  Levantehandel  herantreten.

Ferner  hat  der  Krieg  befruchtend  auch  auf  dae  Wirtschaftoleben