Verschiedenheit  der  wirtschaftlichen  Lebensbedingungen.  147

Verhältnismäßig  dünn  bevölkerte  Riesenflächen  mit  ausgebreiteter
landwirtschaftlicher  Produktion  wie  Rußland,  Kanada  und  Südamerika
sind  natürlich  Lieferanten  der  Uberschüsse  von  Agrarprodukten  für  dicht
besiedelte  Industrieländer.  Sie  können  ihrerseite  aus  Mangel  an  Arbeitskräften
  nicht  plötzlich  dazu  übergehen,  ihre  ganzen  Bedürfnisse  an  industriellen
  Exzeugnissen  selbst  zu  decken,  haben  auch  kein  Interesse  daran,  die
Kauftkraft  der  ihre  Überschüsse  aufnehmenden  Länder  zu  ersticken.  Oie
Tropenländer  liefern  in  reichem  Maße  industrielle  Rohstoffe,  zu  deren
Verarbeitung  die  Bevölkerung  nach  Kopfzahl,  technischer  Bildung  und
klimatischen  Bedingungen  mehr  oder  weniger  ungeeignet  ist,  so  daß
volle  weltwirtschaftliche  Nutzung  dieser  Erzeugnisse  nur  geschehen  kann
in  den  eigentlichen  Industrieländern.  Die  dichtbesiedelten  Kulturländer
der  gemäßigten  Zone  verfügen  in  reichlichem  Maße  über  die  nötigen
Arbeitskräfte  und  dae  durch  cine  lange  Entwicklung  geförderte  technische
Können,  ermangeln  aber  ihrerseits  der  Rohstoffe  und  der  durch  das  Volkéwachstum
  benötigten  ausreichenden  Lebenemittel.  Alle  diese  Erscheinungen
  bedingen  ein  hohes  Maß  weltwirtschaftlicher  Arbeitsteilung,  die
wohl  durch  den  Krieg  gestört  werden  konnte,  aber  mit  Notwendigkeit
wieder  zu  vervollkommneter  Ourchführung  drängt.

In  Zeiten  scharfer  politischer  Spannung  konnte  es  möglich  sein,
daß  das  Gefühl  für  die  Gefahren  scharfer  Konkurrenz  stärker  in  den  Vordergrund
  rückte  als  das  unbefangene  Verständnis  für  die  Vorteile  der  weltwirtschaftlichen
  Arbeitsteilung.  Dauernd  kann  aber  kein  Land  im  eigenen
Interesse  einerseite  auf  die  Exportförderung  bedacht  sein,  anderseite
aber  dem  Import  seine  Pforten  verschließen.  Wohl  liegt  es  im
Interesse  der  Zablungsbilanz  nahe,  den  Import  aus  solchen  Ländern
nach  Möglichkeit  einzuschränken,  die  sich  der  Aufnahme  des  Exportee
weitgehend  versperren.  Anderseites  aber  wird  der  Exporteur  der  Einsicht
nicht  ermangeln,  daß  die  Kaufkraft  seiner  Kunden  nur  in  ihm  selbst  vorteilhafter
  Weise  gefördert  wird,  wenn  das  exportierende  Land  auch  dem  Import
von  Überschüssen  jener  fremden  Märkte  die  Tore  öffnet.  Als  kürzlich  in
Frankreich  die  Forderung  der  französischen  Handelsexpansion  zur  Debatte
stand,  wies  „L'Economiste  Frangais“  zutreffend  darauf  hin,  daß  es  nicht
angebracht  sei,  den  Export  bie  zur  Grenze  des  WMöglichen  steigern  und
den  Import  gleichzeitig  bie  auf  ein  Minimum  einschränken  zu  wollen.
Falle  die  Anhänger  der  Politik  einer  verschärften  Wirtschafteexpanjion,
die  gleichzeitig  mit  einer  Beschränkung  des  Zmports  auf  ein  Mindestmaß
verbunden  sein  soll,  so  schrieb  „L'Economiste  Frangais“,  auch  in  den
andern  Ländern  ebenso  laut  und  betriebsam  auftreten  wollten  wie  unsere
modernen  Wirtschaftetheoretiker,  so  würde  der  Welthandel  allmählich
zum  Stillstand  gelangen,  da  jedes  Land  letzten  Endes  gezwungen  wäre,

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