Die  deutsche  Kriegswirtschaft.

Allgemeiner  Aberblick.

m  Zweikampf  mögen  Mut  und  Festigkeit,  Geschick  und  gute  Waffe
J  entscheiden.  Auch  beim  Zusammenprall  von  Reiterhaufen  bestimmen
lediglich  die  soldatischen  Tugenden  und  die  Güte  des  Kriegsmaterials
den  Ausgang.  Wenn  aber  Millionenheere  gegeneinander  stehen  in  heißem
Ringen  durch  lange  Monde,  dann  haben  noch  unendlich  viele  andere
Faktoren  mitzusprechen;  dann  ist  der  Kampf  nicht  nur  sozusagen  eine
Privatangelegenheit  der  Soldaten,  sondern  er  zieht  die  ganzen  Völker
bie  zum  letzten  ihrer  Bürger  in  Mitleidenschaft.  Nicht  der  zuverlässigste
Aufklärungedienst,  nicht  die  standhafteste  Infanterie,  auch  nicht  die  treffsicherste
  Artillerie  vermögen  den  sicheren  Sieg  und  dauernden  Gewinn
zu  verbürgen.  Aluch  nicht  die  letzten  silbernen  Kugeln  entscheiden  unbedingt.
  Es  kann  ebenso  gut  das  letzte  Weizenkorn,  das  letzte  Kilogramm
Kupfer  sein,  ja,  irgendein  volkswirtschaftlicher  Gebrauchsgegenstand,  der
mit  der  Kriegführung  unmittelbar  gar  nichte  zu  tun  hat.  Ein  Land,  in
dem  Millionen  von  Arbeitskräften  durch  die  Textilindustrie  ernährt
werden,  und  das  auch  während  des  Krieges  Uberfluß  an  Wolle  und
Baumwolle  hat  —  es  kann  wohl  in  drückende  Kriegemüdigkeit  verfallen,
wenn  ihm  irgendein  Hilfestoff  der  Textilindustrie,  etwa  die  Farbe,  entzogen
  wird  und  auf  diese  Weise  Beschäftigungelosigkeit  und  Elend  sich
eines  großen  Teiles  der  Bevölkerung  bemächtigen.  Die  Gestaltung  der
wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  daheim  im  vom  Kriege  unmittelbar
  gar  nicht  berührten  Lande  übt  ihre  Rückwirkungen  aus  auf  die
Kämpfenden  draußen  in  den  Schützengräben,  auf  die  Regierenden  in  den
Hauptquartieren.

Der  Nechaniemus  des  Krieges  ist  unendlich  vielgestaltig  geworden.
Zu  den  alten  Hauptwaffen  hat  sich  eine  Unzahl  neuer  technischer  Hilfemittel
  und  Hilfskräfte  gesellt.  Es  kommt  darauf  an,  diese  Hilfemittel
richtig  nutzen,  sie  durch  immer  neue  Produktion  hbinter  der  Front  rechtzeitig
  und  zweckmäßig  ergänzen  zu  können.

Die  Leitung  der  Millionenheere  erfordert  ein  früher  ungeahntes
Aufgebot  an  Berkehromitteln,  zumal  wenn  die  militärischen  Kräfte  zu
gleicher  Zeit  auf  sehr  verschiedenen  Kriegeschauplätzen  Berwendung  und