154  Allgemeiner  Uberblic.

daß  Deutschland  im  freien  Wettbewerb  seine  weltwirtschaftliche  Stellung
erobert,  sondern  witterte  überall  Reichssubventionen.  Vergebens  waren
auch  die  Bersuche  eines  Nachweises,  daß  Deutschland  im  Kriege  wirtschaftlich
  nicht  lahmzulegen  sei.  Sie  waren,  von  vielen  Seiten  ausgehend,
in  der  Regel  verknüpft  mit  Vorschlägen  für  die  Schaffung  eines  wirtschaftlichen
  Generalstabes  oder  wie  man  eine  ähnliche  Institution  nun
nennen  wollte.  Im  Auslande  verließ  man  sich  darauf,  daß  die  Vorschläge
für  wirtschaftliche  Kriegevorsorge  offensichtlich  nicht  zur  praktischen  Ausführung
  kamen,  und  rechnete  in  Unterschätzung  der  deutschen  Wirtschaftskraft
  mit  dem  schnellen  Zusammenbruch  Deutschlande  bei  völligem  Abschneiden
  vom  Weltmarkt.

An  Arbeiteintensität  und  Produktiokraft  nehmen  wir  es  mit  jedem
Wettbewerber  auf.  England  suchte  sich  und  die  Welt  glauben  zu  machen,
daß  nicht  innere  Stärke  unserer  Volkewirtschaft,  sondern  nur  künstliche
Beihilfen  unserer  Ausfuhr  einen  so  hohen  Stand  ermöglichten.  Wenn  es
richtig  gewesen  sein  sollte,  daß  bei  uns  so  viel  Subventionen  geleistet
wurden,  wie  England  vorgab,  dann  war  es  nur  schleierhaft,  woher  eigentlich
  das  Reich  all  die  heimlichen  Milliarden  nahm!  Das  „freihändlerische“
England  seinerseits  aber  arbeitete  zur  Förderung  seiner  Industrie  mit
Mitteln,  die  durchaus  cinem  Prohibitivzoll  entsprachen,  wie  mit  seinem
Patentgesetz,  das  Patenten  nur  dann  den  englischen  Schutz  gewährt,
wenn  ihre  Verwertung  für  den  englischen  Markt  in  England  selbst  erfolgt.

In  gewissem  Grade  war  der  Schein  hoher  englischer  Uberlegenheit
auf  dem  Weltmarkt  auch  zurückzuführen  auf  den  Umstand,  daß  Deutschland
sich  vielfach  englischer  Bermittlung  bediente.  Trotz  der  großen  Fortschritte
der  deutschen  Schiffahrt  hatte  der  deutsche  Außenhandel  sich  noch  nicht  so
weitgehend  vervollständigt,  daß  wir  ein  wirklich  klares  Bild  unserer  Beziehungen
  zu  den  einzelnen  Ländern  gewinnen  konnten.  Ein  Beispiel:
Unser  Handel  mit  Bulgarien  erschien  in  unserer  eigenen  Handelestatistik
ganz  geringfügig.  Wir  wußten  nicht,  daß  der  größte  Teil  der  bulgarischen
Weizenausfuhr  nach  Belgien  ging,  von  wo  das  gereinigte  Getreide
weiter  nach  dem  Dortmunder  Industriebezirk  verfrachtet  wurde.  Anderseite
  ging  unsere  Ausfuhr  nach  Bulgarien  durch  österreichische,  belgische
und  englische  Hände  und  blieb  uns  nach  ihrem  wirklichen  Umfang  unbekannt.

Veranschlagten  wir  somit  unseren  Warenaustausch  mit  manchen
Staaten  geringer,  als  der  Wirklichkeit  entsprach,  so  hatten  wir  von  der
weltwirtschaftlichen  Stellung  einzelner  größerer  Wettbewerber  ein  übertriebenes
  Bild.  So  war  unsere  Abhängigkeit  beispielöweise  von  amerikanischen
  Rohstoffen  nicht  so  groß,  wie  landläufiger  Auffassung  entspricht.
Man  neigt  dazu,  erfolgreiche  Versuche  einer  Monopollsierung  des  Handele
mit  eigentlichen  Produktionemonopolen  zu  verwechseln,  die  tatsächlich