158  Allgemeiner  Überblick.

Eine  wirkliche  Schwierigkeit  drohte  schon  frühzeitig  das  Feblen  von
Schmieröl  für  Industrie  und  Verkehremittel  aller  Art  zu  bieten.  Aber
auch  hier  tat  sich  die  Möglichkeit  des  Ersatzes  auf,  wie  denn  überhaupt
die  deutsche  Kriegewirtschaft  in  mit  der  Länge  des  Krieges  zunehmender
Bedrängnie  mehr  und  mehr  in  die  Bahnen  einer  Ersatzwirtschaft  geriet,
die  durch  den  Hochstand  der  deutschen  Technik  und  der  deutschen  Chemie
ermöglicht  wurde.

Hätte  die  angewandte  Missenschaft  in  den  Jahrzehnten  vor  dem
Kriege  in  Deutschland  nicht  eine  so  großartige  Entwicklung  durchgemacht,
wie  es  tatsächlich  der  Fall  gewesen  ist,  dann  freilich  hätte  unsere  Fähigkeit
zum  Durchhalten  sicher  nicht  weit  ins  vierte  Kriegsjahr  hineinreichen
können;  dann  hätte  aus  wirtschaftlichen  Gründen,  aus  Mangel  an  Nabrungemitteln
  und  Rohstoffen  der  Zusammenbruch  etwa  innerhalb  der
Zeit  eintreten  müssen,  auf  die  England  wohl  gerechnet  haben  mochte.

Längst  vor  dem  Kriege  verstorbene  Männer,  wie  etwa  ein  Zustus
v.  Liebig,  haben  sich  unschätzbare  Verdienste  um  die  deutsche  Ourchhaltefabigkeit
  erworben.  Die  Einführung  des  wissenschaftlichen  Laboratoriumsunterrichtes
  an  den  deutschen  Hochschulen  vor  einem  Jahrhundert  durch
Liebig  war  es,  die  unserer  deutschen  chemischen  Wissenschaft  und  Technik
jenes  Heer  von  Forschern  und  Fachkräften  zugeführt,  das  sie  zum  Aufbau
ihres  weltumspannenden  Arbeitswerkes  auf  sicherem  wissenschaftlichen
Fundament  befähigte.  Liebigs  großes  Werk,  seine  Forschungen  über  die
künstlichen  Düngemittel,  haben  nicht  nur  unsere  Landwirtschaft  befähigt,
auf  dem  engen  und  knappen  deutschen  Boden  die  Erzeugung  von  Nahrungemitteln
  zu  vervielfachen,  sondern  sie  haben  darüber  binaus  auch  der
Chemie  und  der  Technik  im  allgemeinen  Wege  gewiesen,  die  für  die  Volkswirtschaft
  von  hoher  Bedeutung  gewesen,  bis  sie  in  der  Kriegewirtschaft
zum  vollen  deutschen  Triumph  zu  führen  versprachen.  Wir  bauten
auf  seinem  Wort:  „Wissenschaft  und  Industrie  bilden  heutzutage  eine
Macht,  die  von  Hindernissen  nichts  weiß“.  Unerreicht  war  auf  dieser
Grundlage  die  deutsche  Fähigkeit  entwickelt,  die  Wissenschaft  in  den  Oienst
der  Wirtschaft  zu  stellen.

Als  vielleicht  unbewußte  Kriegsvorsorge  erwies  sich  in  diesem  Sinne
die  Organisation  der  Forschung  auf  dem  Gebiet  der  praktischen
  Wissenschaften,  die  während  der  Regierungszeit  Kaiser
Wilhelms  II.  unter  Führung  des  unvergeßlichen  Althoff  im  preußischen
Kultueministerium  durchgeführt  worden  war.

In  den  Kaiser-Wilhelm-Forschungsinstituten  findet  diese  Für-  und
Vorsorge  ihren  kennzeichnenden  #Ausdruck.  Sie  waren  gerade  zeitig
genug  vor  dem  Kriege  geschaffen  worden  und  eingearbeitet,  um  während
des  Kriegese  rettende  Wundertaten  zu  zeitigen.  Einer  der  klügsten  Köpfe,