Nutzung  wissenschaftlicher  Forschung  für  die  Volkewirtschaft.  159

die  Preußen  im  letzten  Menschenalter  gehabt,  der  verstorbene  Ministerlaldirektor
  Althoff,  hat  den  Plan  für  sie  entworfen,  hat  bei  Kaiser  Wilhelm  II.
förderlichstes  Berständnis  für  den  Gedanken  gefunden,  und  hat  in  alter
Meisterschaft  verstanden,  seine  Durchführung  nach  allen  Seiten  bin  sicherzustellen,
  besonders  auch  in  geldlicher  Hinsicht.  Der  Mann,  der  auf  der
Höbe  der  Forschungsstadt  Dahlem  seine  letzte  Ruhestätte  gewählt,  hat
um  die  Führung  dieses  Krieges  Verdienste  erworben,  die  zu  seinen  Lebzeiten
  kaum  jemand  ahnte.

Althoff  war  der  Mann  der  nationalen  Wissenschaft  und  ihrer  praktischen
  Wertung.  Bringen  wir  doch  das  Schlagwort  von  der  Internationalität
  der  Wissenschaft  in  seine  gebührenden  Grenzen!  Gewiß:
Daß  2XX2-4,  daß  die  Erde  eine  abgeplattete  Kugel  und  der  Mond
ihr  Begleiter  auf  dem  Weltenlauf,  daß  Wärme  die  Körper  auesdehnt,
daß  Wasser  aus  Wasserstoff  und  Sauerstoff  besteht  —,  das  ist  volkloses
Wissen,  an  dem  Völker  und  Geschlechter  geschaffen  und  gebaut  haben.
Neben  diesem  volklos-allgemeinen  Wissen  aber  steht  das  nationale  Wissen-Schaffen
  und  Wissen-Verwerten.  Sind  die  Geisteswissenschaften  wirklich
international?  Bleibt  der  deutsche  Kant,  von  einem  Franzosen  oder
Amerikaner  nachgedacht,  der  gleiche  Kant,  oder  erhält  er  nicht  vielmehr
die  Färbung  französischer,  amerikanischer  Denkweise?

Auf  dem  Gebiet  der  anwendbaren  Wissenschaften  gibt  ee  sicherlich
eine  Unmenge  volklosen  Wissens;  aber  gerade  hier  brauchen  und  besitzen
wir  auch  viel  nationale  Wissenschaft  für  den  völkischen  Hausgebrauch.
Die  Forschungeinstitute  sind  Schöpfbrunnen  dieser  nationalen  Wissenschaft,
  und  zumal  im  Kriege  eine  Stütze,  ohne  die  Deutschland  in  seiner
eigenartigen  Lage  viel  schneller  zusammengebrochen  wäre.  Was  wir
angewandter  Wissenschaft  bezüglich  der  Dauer  unserer  Ourchhaltefähigkeit
zu  verdanken  hatten  —  nur  zu  einem  Bruchteil  ist  es  während  der  Kriegszeit
  weiteren  Kreisen  bekannt  geworden.  Dank  deutscher  Forschungsarbeit
  hat  die  Luftschicht  über  uns  und  das  Erdinnere  unter  une  hergeben
müssen,  was  wir  sonst  an  fremden  NRohstoffen  einführen  mußten.  Es  genügt,
  an  die  Stickstoffgewinnung  aue  der  Luft  und  an  die  täglich  weiter
vervollkommnete  Auenutzung  des  mannigfachen  Gehalte  unserer  Kohlen--lager
  zu  erinnern,  um  den  Wissenden  darzutun,  daß  nur  deutsche  Wissenschaft
  une  das  Rüstzeug  zu  vierjährigem  Durchhalten  gegeben.  Von  der
Außenwelt  abgeschlossen,  wären  wir  schon  nach  einigen  Monaten  der
erdrückenden  Uberfülle  amerikanischer  Munition  erlegen,  wenn  wir  nicht
die  praktische  Nutzung  deutscher  Forschung  gehabt  hätten!  Der  chemische
und  der  technische  Professor  haben  den  Einkreisungsring  zwar  nicht  gesprengt,
  wohl  aber  durch  50  Monde  seiner  vernichtenden  Wirkung  beraubt,
bie  schließlich  ganz  andere  Gründe,  die  mehr  auf  psychologischem  als  auf