160  Allgemeiner  Uberblick.

phosiologischem  Gebiete  lagen,  dem  deutschen  Durchhalten  ein  Ende
bereiteten.

Wirtschaftlich  war  die  deutsche  Durchhaltefähigkeit  jedenfalle  sehr
viel  weniger  begrenzt,  ale  sich  die  Gegner  Deutschlands,  ale  sich  die  große
Masse  der  Deutschen  selbst  hatte  träumen  lassen.  Und  diese  Erscheinung
trat  zutage,  obwohl  wirtschaftliche  Kriegsvorsorge  in  Deutschland  in  so
bedenklichem  Maße  vernachlässigt  worden  war.

Nur  kriegerische  Wirtschaftsvorsorge  hat  in  alten  Zeiten  wirtschaftliche
  Kriegevorsorge  erübrigt,  wenn  nämlich  für  nomadisierende  Stämme
Kriegszüge  Mittel  zum  wirtschaftlichen  Zweck  der  Erlangung  neuer  Weideplätze
  für  ihre  Biehherden  waren.  Sonst  ist  zu  allen  Zeiten  wirtschaftliche
Kriegsvorsorge  getrieben  worden.  Die  hervorstechendsten  Beispiele  dafür
sind  das  eine  Mal  große  Aufspeicherungen  von  Getreidevorräten,  das
andere  Mal  die  entscheidende  Berücksichtigung  von  Verteidigungs--notwendigkeiten
  oder  Angriffamöglichkeiten  bei  der  Anlage  von  Verkehrestraßen.


Unsere  Zeit  enger  Berquickung  des  volkswirtschaftlichen  Einzelorganismus
  mit  dem  weltwirtschaftlichen  Ganzen  hat  wirtschaftliche
Abhängigkeiten  geschaffen  und  so  umfangreiche,  früher  ungekannte  wirtschaftliche
  Bedürfnisse  entstehen  lassen,  daß  wirtschaftliche  Kriegevorsorge
und  ständige  wirtschaftliche  Kriegsbereitschaft  uns  heute  in  ungleich
größerem  und  vielseitigerem  Maße  not  täten  als  jenen  früheren  Geschlechtern,
  die  mit  der  Aufstapelung  großer  Getreidevorräte  binlängliche
Vorsorge  getroffen  hatten.  Aber  der  Geist  unseree  Wirtschaftelebens
war  so  unkriegerisch,  so  kriegsentwöhnt  geworden,  daß  auch  der  wirtschaftlichen
  Kriegebereitschaft  nicht  entfernt  die  ihr  gebührende  Aufmerksamkeit
geschenkt  wurde.

Der  Jahrhunderte  alten  Weieheit,  daß  zum  Kriegführen  Geld,
Geld  und  wiederum  Geld  gehört,  hat  sich  die  Erkenntnie  angeschlossen,
daß  zur  Erfüllung  der  wirtschaftlichen  Kriegebedürfnisse  die  sogenannte
finanzielle  Mobilmachung  durch  alle  Zweige  des  Wirtschaftelebene
der  militärischen  Mobilmachung  gleichlaufen  müsse.

In  früheren  Jahren  waren  es  namentlich  die  Fragen  der  Nahrungemittelversorgung,
  die  nach  dem  Muster  des  auf  umfangreichste  Nahrungemittelzufuhr
  angewiesenen  britischen  Inselreichee  auch  in  Deutschland
Berücksichtigung  in  diesem  Zusammenhange  fanden,  nachdem  das  gewaltige
  Volkswachstum  und  die  Industrialisierung  Deutschlande  dieses
Land  zum  LCeil  auf  ausländische  Nahrungemittelzufuhr  gestellt  hatte.
Erst  das  letzte  halbe  Zahrzehnt  vor  dem  Kriege  hat  dann  auch  eine  reichhaltige
  volkewirtschaftliche  Literatur  zutage  treten  lassen,  die  ganz  allgemein
  auf  volkswirtschaftliche  Kriegevorsorge  hinarbeitete.