Die  finanzlelle  Mobllmachung.  161

Fast  gleichzeitig  erschienen  im  Zahre  1909  die  grundlegenden
Arbeiten  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  Rießer,  „Finanzielle  Kriegsbereitschaft
und  Kriegführung“  (Zena,  Gustav  Fischer),  die  eingehende  und  bahnbrechende
  Vorschläge  für  die  finanzielle  Mobilmachung  aufstellten,  und
von  Regierungsrat  a.  D.  Dr.  Voelcker,  „Die  deutsche  Volkswirtschaft  im
Kriegsfalle“  (Leipzig,  Verlag  Dr.  Werner  Klinkhardt)  —  der  umfassendste
überblick  über  die  voraussichtlichen  wirtschaftlichen  Beeinträchtigungen  der
verschiedenen  Zweige  des  gewerblichen  Lebens  durch  den  Krieg.  Diesen
beiden  Arbeiten  schloß  sich  an  meine  Abhandlung  „Deutschlands  wirtschaftliche
  Zukunft  in  Krieg  und  Frieden“  in  den  „Jahrbüchern  für
Nationalökonomie  und  Statistik“  (5.  Folge  Bd.  40),  in  der  erstmals  —  in
wesentlicher  Erweiterung  des  von  Nießer  vorgeschlagenen  finanziellen
Generalstabs  —  ein  ständiger  volkewirtschaftlicher  Beirat  des
Kriegeministeriume  öffentlich  gefordert  wurde.

Dieser  letztere  Borschlag,  in  der  Folgezeit  ergänzt  und  ausgebaut
durch  meine  Albhandlungen  in  der  „Deutschen  Mirtschaftszeitung“:
„Volkewirtschaftliche  Blockadeabwehr“  (9.  Jahrg.  Nr.  10),  sowie  im  „Tag“,
fand  beifällige  Aufnahme  auch  in  den  Kreisen  des  Großen  Generalstabes,
so  daß  die  von  diesem  herausgegebenen  „Vierteljahrehefte  für  Truppenfübrung
  und  Heereskunde“  (Verlag  E.  S.  Mittler  und  Sohn  in  Berlin)
im  dritten  Heft  ihres  zehnten  Zahrgangee  (Juli  1913)  meine  spstematische
Übersicht  über  „Volkswirtschaftliche  Kriegevorsorge“  zur  Veröffentlichung
brachten.  Der  darin  unter  anderem  besonders  berücksichtigten  Frage  der
Mobilisierung  des  Arbeitsmarktes  brachte  auch  der  Verband  deutscher
Arbeitsnachweise  sein  Interesse  entgegen;  mein  durch  ihn  angeregtes
Gutachten  über  Bedürfnisse  und  Organisation  des  Arbeitsmarktes  im
Kriegefalle  wurde  im  ersten  Jahrgang  Nr.  9  seiner  Zeitschrift  „Der
Arbeitsnachweis  in  Deutschland“  (Berlin,  15.  Zuni  1914,  Carl  Hepmanno
Verlag)  veröffentlicht.

Als  der  Große  Generalstab  mich  zur  Abfassung  des  eben  erwähnten
Gutachtens  über  die  wirtschaftliche  Kriegsvorsorge  aufforderte,  waltete
bei  ihm  leider  die  Meinung  ob,  daß  die  praktische  Arbeit  in  wirtschaftlicher
Kriegsvorsorge  dem  maßgebenden  militärischen  Verwaltungskörper,  also
dem  Preußischen  Kriegeministerium,  obzuliegen  habe,  bei  dem  die  Schaffung
eines  volkewirtschaftlichen  Beirates  zu  befürworten  sei.  Das  Preußische
Kriegeministerium  seinerseits  scheint  dieser  Anregung  keine  weitere  Folge
gegeben  zu  haben,  sondern  überließ  die  wirtschaftliche  Kriegevorsorge
den  maßgebenden  Ziodilinstanzen,  in  erster  Linie  dem  Reichsamt  des
Innern.  Dieses  aber  verhielt  sich  der  Frage  gegenüber  ablehnend,  und
zwar  bis  zu  dem  Grade,  daß  noch  am  26.  Mai  1914  der  Staatesekretär
im  Reichsamt  des  Innern  durch  den  ihm  unterstellten  Wirtschaftlichen

Dir,  Wiittschaftskrieg  und  NKriegswrtschaft.  11